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Nachdem das Königliche Provinzial-Schulkollegium dieses Anerbieten unter dem Ausdruck seines Dankes angenommen hat, werden die Klassen des Gymnasiums in den bevorstehenden Osterferien in das Markt-Schulgebäude verlegt werden, so dass der Bauverwaltung das Gymnasialgebäude für das Sommer- semester zur Verfügung stehen wird. Der Unterzeichnete kann es nicht unterlassen, den städtischen Behörden für das in dieser Angelegenheit bewiesene überaus freundliche Entgegenkommen den aufrichtigsten und herz- lichsten Dank Namens der Anstalt hierdurch auszusprechen.
Sodann ist der schon so oft zum Ausdruck gebrachte Wunsch, auch für die körperliche Ausbildung unserer Zöglinge in ausgiebiger Weise sorgen zu können, durch die Erbauung einer dem Gymnasium und dem Realgymnasium gemeinsam gehörenden Turnhalle nunmehr endlich in Erfüllung gegangen. Durch die Erwerbung des vormals Bernhardt'schen Grundstückes war es möglich, den Bau in nächster Nähe der beiden Schulgebäude zu errichten. Diese günstige Lage der Halle eröffnet zugleich die Aussicht, das Turnen für die Zukunft in entsprechender Weise den übrigen Unterrichtsgegenständen anreihen zu können. Das Gebäude ist unter der Leitung des Königlichen Bauinspectors Herrn Helb ig in mustergültiger Weise aufgeführt worden und jetzt so weit vollendet, dass es mit dem Anfange des nächsten Schuljahres in Benutzung ge- nommen werden kann. Der Fürsorge der hohen Schulbehörde, sowie der trefflichen und erfolgreichen Bemühung des Baumeisters gebührt seitens des Gymnasiums der wärmste Dank. Eine kurze Beschreibung der Halle und ihrer inneren Einrichtung lassen wir im Nachstehenden folgen.
Turn halle.
Die Grösse ergibt sich aus der Länge von 22, der Breite von 12,70 und der Höhe von 6,50 Metern. Vier in der vorderen Wand befindliche Fenster und drei Oberlichter erhellen den Raum in ausreichender Weise; für die Erleuchtung desselben während etwaiger Abendturnstunden ist durch Anlegung von zwölf Doppelgas- flammen Fürsorge getroffen. Durch Einführung der Wasserleitung in die Halle selbst wird einem weiteren Bedürf- nisse Rechnung getragen. Als eine ganz praktische Anlage darf wohl die Einrichtung bezeichnet werden, wonach durch einen an die Wasserleitung anzulegenden Schlauch die Halle leicht zu begiessen und der beim Turnen sich entwickelnde Staub nieder zu halten ist. An die Rückseite des Turnsaales anschliessend befinden sich, durch einen kleinen Hofraum getrennt, ein Gerätheraum, welcher zugleich als Aufbewahrungsort für etwa beim Turnen abzulegende Kleidungsstücke dient, und die Aborte. Vor der Halle liegt ein mit Platanen bepflanzter, in der besseren Jahreszeit zu benutzender Turnplatz.
Der Plan für die Gerätheeinrichtung der Turnhalle ist von dem Turnlehrer Weber- unter gütiger Beihülfe des Herrn Turninspectors Danneberg zu Frankfurt a. M. entworfen worden. Zwei Punkte waren hierbei besonders im Auge zu halten: die künftige Benutzung der Halle seitens starker Schülerklassen und Ermöglichung der Abhaltung sehr besuchter Schulfeierſichkeiten. Es galt also, möglichst viel Raum frei zu lassen, um die Geräthe schnell und leicht auf- und ausräumen zu können. Beides liess sich durch Annahme der Fussboden- Häülseneinrichtung am besten erreichen. Nach diesem Systeme fallen bei einem grossen Theile der Geräthe die viel Raum beanspruchenden Gestelle, die Untersätze, die Beine etc. fort. Die Barren werden in die dem Fuss- boden eingefügten gusseisernen Hülsen eingestellt und können mit Leichtigkeit festgeschraubt werden. Für die Sturmbretter dienen die Hülsenböcke als Untersatzgestelle, welche letztere ebenfalls in die Barrenhülsen einge- schoben werden können, Die Hülsenböcke dienen zugleich als Untersätze für die Springbockkasten. Für die Springpfeiler werden gleichfalls die Hülsen benutzt. Bei Nichtbenutzung vorgenannter Geräthe sind dieselben durch Lederriemen an einer den Wänden entlang laufenden Leiste befestigt. Die Reckständer sind verschiebbar einge- richtet. Die günstige Breite der Halle machte es möglich, das Gerüst für die wagerechten Leitern zum Theil mit den Reckständern zu verbinden, so zwar, dass die beiden mittelsten Reckständer zugleich als Leiterständer dienen. Zur rechten Seite des Leitergerüstes haben die senkrechten Leitern mit den Tiefsprungtritten und zur linken zwei Reihen Kletterstangen einen sehr geeigneten Platz gefunden. Die Stangen der vordersten Reihe sind oval im Querdurchschnitt, damit sie schräg gestellt werden können und für die Schrägstellung eine grössere Tragfähigkeit besitzen. Die Schrägstellung dieser Kletterstangen und der senkrechten Leitern lässt sich durch das Untersetzen der Tiefsprungtritte bewerkstelligen. Die Stangen und Leitern sind abnehmbar, dergleichen die Tiefsprungtritte. Die Halle kann also leicht vollständig ausgeräumt werden.— Bei allen Geräthen, mit Ausnahme der Pferde, ist die vierfache Zahl— also vier Barren, vier Recke etc.— vorgesehen worden, damit das Gemeinturnen ohne die zweifelhafte und unsichere Hülfe der sog. Vorturner vollständig zur Durchführung gelangen kann. Der Kostenpunkt gestattete bei den Pferden nur die Anschaffung in zweifacher Zahl, dagegen fand ein Springkasten Aufnahme. Die Lieferung der Turngeräthe besorgte die bekannte Firma H. O. Kluge zu Berlin.
Zum Schluss sei hier unter dem Ausdruck des verbindlichsten Dankes noch erwähnt, dass während der Zeit des Baues unserer Turnhalle auf gütige Befürwortung des Herrn Rector Prof. Unverza gt hin seitens der städtischen Verwaltung die Mitbenutzung der Halle der höheren Bürgerschule dem Gymnasium in wohlwollendster Weise zugestanden worden ist.


