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Ernst ist und dass er im gottgeordneten Familienleben seine Wohnstätte sucht. Wohl verrathen mitunter Worte wie diese:„got wil miner fröude niht“ noch einen erheblichen Grad des Missmuths. Für den Fall der Untreue seiner Gattin, wie sie ja damals in Ritterehen nicht zu den Seltenheiten zählte, denkt er sogar an andere Minne, aber„ir minne“ hat ihm„ander minne und trost“ benommen. Er kann nicht anders, als sein geliebtes Weib suchen.
Doch bevor er sie findet, gilt es noch einen letzten Kampf zu bestehen,„nu wil er werben niuwen pin“, und zwar mit seinem Halbbruder, dem heidnischen Feirefiz, welcher Fleisch von seinem Fleische ist). Derselbe wird, gewiss nicht zufällig, ebenso wie der Zweifel im Eingang des 1. Buchs mit der Elster an Farbe verglichen. Der unstäte, doppelfarbige, unbeständige, charakterlose Zweifel war(als habitus, Skep- ticismus) Parzival zur zweiten Natur geworden. Diese gilt es zuerst zu überwinden, wenn er die christliche Kämpferkrone erringen soll. Es ist ein überaus heftiger Kampf. Parzival sinkt ins Knie, aber, im Gedanken an Weib und Kind, in welchen die Idealität aller Lebensgüter für ihn gipfelt, seit seiner Bekehrung, rafft er sich zu kühner Abwehr auf und zerbricht hierbei sein Schwert. Feirefiz, in seinem Gegner den moralischen Sieger anerkennend, wirft nun grossmüthig auch sein Schwert weg, und Beide geben einander als Brüder zu erkennen. Sie reiten an des Artus Hof, und Feirefiz wird feierlich in die Tafelrunde aufgenommen.
Allegorisch stellt der Dichter hiermit den Gedanken dar, dass der alte Parzival das fremde Wesen in sich überwunden habe und, wie er ehemals Gawan besiegt, so auch als Sieger über Fleisch und Blut aus dem herbsten Kampfe hervorgegangen und in die alte Ehre restituirt worden sei, wobei freilich eine Schwierigkeit der Deutung erübrigt, nemlich zu bestimmen, in welchem Verhältniss diese Reception des Halb- bruders zu derjenigen Parzivals, die bereits oben erwähnt wurde, stehe. Wahrscheinlich ist jene frühere als proleptische Zuerkennung gefasst, wie denn Parzival dort sich der daraus entspringenden Rechte durch Resignation und Weltflucht so sehr begiebt, dass er incognito einherwandelt, im Gegensatz zu den Tra- ditionen der Artusritter, diese dagegen als die vollgültige Aufnahme und Anerkennung seines ganzen Ritter- lebens, die feierliche restitutio ad integrum. Nun kann denn auch, ja es muss von dem mit Gott und der Welt Versöhnten die Fluchbotin Cundrie la Surciere den über ihn einst verhängten Bann lösen und ihm die frohe Botschaft überbringen, und zwar vor Zeugen— denn es handelt sich nur um einen Akt vor der Welt, für den versöhnten Geist selbst bedurfte es einer solchen Lossprechung nicht mehr, weder in seinem Bewusstsein, noch im Himmel— wie damals der Fluch in deren Beisein über Parzival ausgesprochen war, er sei, vom Himmel längst dazu bestimmt, nunmehr zum Gralkönig ernannt, sein Sohn Loherangrin zu seinem geistlichen Nachfolger, der zweite Sohn Kardeiz dagegen zum Erben seiner weltlichen Krone.
Parzival und Feirefiz reiten nach Munsalväsche. Gerade bei ihrer Ankunft, unter derselben Con- stellation des Mars und des Jupiter, wie damals bei Parzivals erstem Eintritt in die Zauberburg, sind des Anfortas Schmerzen so heftig, dass er, wie er sich bereits öfter flehend an die Templeisen gewandt, so auch Parzival bittet, ihn zu tödten. Dieser wirft sich, zur Dreifaltigkeit flehend, vor dem Gral nieder und fragt den König, was ihm fehle. Dadurch wird der Unglückliche geheilt.
Eine solche Frage bei solchem Wiederfinden ist gewiss keine sinnlose Ceremonie, als welche sie einigen Kritikern erscheint. Abgesehen davon, dass die Verhältnisse, unter welchen die Frage diesmal gestellt wird, keineswegs dieselben sind, wie damals, als der jugendliche Gast an des Königs Seite gesessen, bedient und gefeiert vom Hofe als ersehnter Befreier, sodass von einer sinnlosen Wiederholung nicht einmal die Rede sein kann²), von einer plumpen Absicht des Dichters, die durch die reine Zufälligkeit und Willkür solcher Wiederholungen den Leser verstimme: die Frage Parzivals, jetzt gerade an den Unglücklichen gerichtet, gewinnt eine wesentlich andere Bedeutung. Parzival denkt längst nicht mehr an des Gurnemanz
¹) Vergl. Bd. I von Belakane. ²) Dazu kommt der Unterschied, dass die triefende Lanze diesmal beim Mahle fehlt.


