Aufsatz 
Die christlichen Ideen der Parzivaldichtung / von Bernhard Spiess
Entstehung
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Ausser dieser inneren allgemeinen Beziehung zur Entwicklung Parzivals bieten die beiden Bücher, das 7. und 8., noch einen besonderen, leicht nachweisbaren Anhaltspunkt. Nicht allein, dass im Kampfe des Meljanz gegen Lippaut der räthselhafte rothe Ritter thätig erscheint, freilich blos in äusserlicher Zuge- hörigkeit, dabei in zwecklosem Abenteuer seine Kräfte verzehrend, aber doch mit dem Verdienste, durch Auslösung der Gefangenen eine Versöhnung zwischen den streitenden herbeigeführt zu haben: auch im 8. Buche(Gawan und Antikonia), welches Gawan ins Land Askalon zum Könige Vergulacht kommen lässt, um einen Zweikampf mit Kingrimursel auszufechten, finden wir eine höchst bedeutsame Beziehung. Die Ent- scheidung durch die Waffen wird nemlich unter der Bedingung verschoben, dass Vergulacht seine Ver- pflichtung, seinem ehemaligen Besieger Parzival den Gral zu erwerben, wicdrigenfalls der Königin von Pelrapeire, Condwiramur, sich zu stellen, auf Gawan überträgt, den Helden der Episode. Damit werden die mächtigsten Helden zu Parzivals Vorkämpfern, gezwungen, seine Wünsche erfüllen zu helfen. Aber die Seele, welche nicht aus sich selbst das Heil finden kann, vermag dies noch weit weniger durch Mitkämpfer und Vorkämpfer, denen ein solcher Kampf, als Kindern der Welt, nur ein äusserlicher bleiben muss. Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben.

Frau Aventiure begehrt nun, zum Beginn des 9. Buches, Einlass in des fragenden Dichters Herz, sicherlich um etwas Bedeutendes anzukündigen. Parzival tritt allein auf. Besseren Regungen sich nicht mehr verschliessend, trifft er wiederum Sigune, und zwar als Klausnerin; diesmal ihr sein Herz enthüllend, wesshalb sie ihm nicht mehr fluchen kann, sondern ihm liebevoll zuspricht und ihren Rath ertheilt. Ferner begegnet er einem alten Ritter in der Gestalt eines Busspilgers nebst Familie, enthüllt diesem seinen Atheismus und muss aus schlichtem Christenmund den Tadel vernehmen, dass er am heiligen Charfreitag die Waffen trage. Er hatte gesucht nach Idealen, in selbstgewähltem Titanismus die vorliegenden Güter der Offen- barung verschmähend und die nächsten Christenpflichten verletzend. Jetzt, ohne zu suchen, hat er sich suchen und finden lassen und seinen Gott wiedergefunden, zum ersten Male wieder an seinen Schöpfer ge- mahnt(451). Indem er nun seinem Rosse die Zügel lässt, um sich von Gott den Weg zeigen zu lassen(456), kommt er zu Trevrizent, verlangt als einMann, der Sünde hat, von diesem Rath und erhält den erfor- derlichen Aufschluss über den Gral. Als er Sigunen begegnet war, durfte er Cundrie noch nicht erreichen, um des über ihn verhängten kräftigen Fluchs entbunden zu werden. Vorausgehen sollte die sittlich-religiöse Läuterung, die er eben jetzt durch die Katechese Trevrizents erhält. Seltsamerweise erkennt er in dem Orte, wo er sich befindet, die Stelle wieder, an der er Orilus den Eid geleistet hatte. Er erfährt, wie lange er (4 ½ Jahre) ohne Gott umhergeschweift hat, bereut die Versäumniss des Kirchenbesuchs in dieser langen Zeit(461) und besonders seinen Hass gegen Gott, zum Beweis, dass wir es hier nicht mit einer blos kirch- lich ceremoniellen Auffassung zu thun haben. Um ihn in der besseren Erkenntniss und geläuterten Ge- sinnung zu bestärken, warnt ihn Trevrizent vor jeglicher Gotteslästerung, vor Lucifers Hochmuth und Adams Fall denn wie leicht war ein Rückfall möglich, weist ihm die Nothwendigkeit der Erlösung von der Sünde nach, auf welche selbst Plato, der pareliure, nebst der prophetischen Sibylle hingedeutet habe, und ermahnt ihn ernstlich, dass er doch nicht den Zorn der göttlichen Liebe reizen solle(467).

Parzival bekennt seinem Lehrmeister und Beichtvater, zweierlei sei der Gegenstand seiner erneuten Sehnsucht, der Gral und sein Weib. Letzteres billigt Trevrizent als etwas Natürliches, zum Verständniss des Ersteren jedoch gibt er ihm zunächst Aufschluss über seine Verwandten, Amur, Ither, Titurel, wobei er ihn beklagen muss, da er am Tode seiner Mutter, sowie an Ithers Ermordung schuld sei. Uebrigens unterlässt er es nicht, ihn zu trösten und zu ermuntern, dass er nur nicht an Gott zweifeln solle. Fünfzehn Tage, welche uns eine Schilderung des früheren Lebens unseres Helden mit allen seinen Verirrungen geben, verweilt Parzival bei seinem Katecheten und wird, nach einer Ermahnung, Frauen und Priester zu ehren, vom Priester feierlich losgesprochen(502).Gip mir din' sünde her: vor gote ich bin din wandels wer Scheinbar eine blosse Verherrlichung der mittelalterlichen Absolutionspraxis, in der That aber der Ausdruck