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die Kunst als solche aufgerichtet. Wo aber das Verzeihen, zu dem wir doch so leicht geneigt sind, durch ein unwürdiges täuschendes Spiel Verliebter verboten ist, und der betrogene verblendete Alte nur die komische Seite des Bedauerns erregt, wie in Tristan und Isolt, da hört die Idealität der Kunst auf. Es ist nur zu bedauern, dass man, durch die blendende Form bestochen, in neuester Zeit(mit Kurz u. a.) Gottfried so ungebührlich hochgestellt hat auf Kosten Wolframs, dessen Ideenreichthum uns doch ein ganz anderes Urtheil abnöthigt. Wo noch ein Sinn für das Suchen der Seele nach einem unverwelklichen Gehalte vorhanden ist, übt, wie Bartsch treffend in seiner Einleitung zu Parzival sagt,„der Flügelschlag einer grossen Seele, die durch den Druck der gegebenen Verhältnisse gehemmt ist, einen mächtigen Eindruck aus“.
Mag man das Epos Parzival auch nicht freisprechen von sämmtlichen Gebrechen des Kunstepos, mag man selbst die Anlage unseres Gedichtes eine verfehlte nennen, sofern der Dualismus zwischen weltlichem und geistlichem Ritterthum nicht innerlich überwunden, vielmehr die Erlangung des höchsten Gutes, der Gralswürde, als zufällig erscheine: seine Grundidee ist doch so gewaltig, dass wir nur Göthes Faust und Dantes div. com. jener Schöpfung können an die Seite stellen; denn das grösste psychologische Problem sucht Wolfram zu lösen, das Ringen des menschlichen Geistes nach Versöhnung.
Was die Originalität des Dichters anlangt, so hat man Vieles von einem Gewährsmanne Wolframs wissen wollen, nämlich ausser dem bekannten Crestien de Troies, dessen Werk gerade in der Hauptsache versagt, sofern es abbricht, ehe Parzival die Gralsburg wiedergefunden, von dem räthselhaften K50t ¹). Simrock hält denselben für eine, durch die traditionelle Abhängigkeit der höfischen Dichter von Quellen, begründete Fiktion ²) des Dichters, und zwar aus dem triftigen Grunde, dass wir uns den Dichter eines so gedankentiefen, dabei echt germanischen Epos nicht als Compilator französischer Vorarbeiten vorstellen können. Lassen wir jedoch diese Controverse auf sich beruhen. Jedenfalls wächst, wenn wir das Gedicht mit der ursprünglichen Gestalt der Gralsage, oder gar mit dem von Gervinus(im Anhang seiner Literaturgeschichte) mitgetheilten walisischen Mährchen von Peredur ³), einem Chaos gehaltloser Abenteuer, vergleichen, das Ver- trauen in die Selbstständigkeit der Bearbeitung und Composition des dichterischen Stoffes. Stellen wir nun vollends die Grundbestandtheile desselben, die beiden Pole der Dichtung, die Artus- und die Gralsage, nebeneinander, so erhellt sofort die Schwierigkeit des Unternehmens, beide zu Einem Epos zu verschmelzen. Sollte nun wirklich dies dem Dichter missglückt sein, so bliebe immerhin die Kühnheit seines Versuches zu bewundern, und unbestreitbar ist er ihm insoweit gelungen, als Parzival die Seele des ganzen Kunstwerks, die Entwicklung seines inneren Lebens das Agens der Handlung geworden ist.
Forschen wir aber nach der Grundidee, so kann sie sicher nicht mit einer Analogie des Simplicis- simus— einer Entdeckung des Literarhistorikers Gervinus— erschöpft sein, d. h. in dem Gedanken auf- gehen, dass der träumerische, unbeholfene Jüngling(mit welchem der rohe Wicht Simpl. doch eine ver- zweifelte Aehnlichkeit haben würde) voll Wanderlust und Thatendurst, und doch von tiefem Heimweh erfüllt, aus seiner Naivetät herausgerissen wird in die Wechselfälle des Lebens, um als Mann alle der Leidenschaft entspringenden und von der Ehre gebotenen Kämpfe, Waffenthaten und Liebesabenteuer, zu bestehen, bis er endlich das Mass der Lebensmaximen bei Gurnemanz gefunden, es anzuwenden, zu beobachten und so sein häusliches Glück zu begründen weiss, geläutert von Zweifel und Zaghaftigkeit, von Missmuth und endlosem
¹) Guiot. Vergl. Bartsch Einleit., pag. XXVIII.
²) Simrock Einleit., pag. 525:„Er bedurfte Chrestiens grossem Ansehen gegenüber eines Rückhaltes, um seine Umbildung der Sage zu rechtfertigen, da seine tiefere, geistigere Auffassung derselben den Autoritäts- gläubigen jener Zeit seine Berechtigung, von dem berühmten Vorgänger abzuweichen, nicht dargethan hätte“.— Man vergl. den Kiot des 16. Buches. Woher der Gleichklang der Namen?
³) Simrock hält, gegen St. Marte und die allgemeine Ansicht über die Ursprünglichkeit des Mabigoni (§. 17), den Peredur für eine spätere Gestaltung der Parzivalsage, namentlich„die Hexen von Gloucester und Alles, was mit ihnen zusammenhängt, für interpoliert“. Vergl. St. Marte II, 387 und die Arthursage 176 ff.
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