Aufsatz 
Die Prädestinationslehre des Koran / Spiess
Entstehung
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motivirt wird. Gerade diese Sure verräth wie keine anderé aus dieser Periode den com- pilatorischen Charakter, indem sie Willensfreiheit neben einem prädestinirten Weltdualis- mus unversöhnt lehrt.

2) Die Offenbarungen aus der Uebergangsperiode wiederholen die früheren Gedanken. Jedoch die Schwüre schwinden; die ursprüngliche Frische weicht einer matten Logik, neben welcher man selten noch der prophetischen Begeisterung begegnet. Es zeigt sich ein Ansatz zur Dogmenbildung, besonders auf dem Gebiete der Gotteserkennt- niss und Offenbarungsgeschichte. Gott erhält jetzt das Attribut Rahmân, einen von den Judenchristen überkommenen Namen. Diese Rahmäanperiode konnte indess nur von kurzer Dauer sein. Die Fülle der rahmänischen Gottesidee musste dem Allah, dem Ueberbleibsel einer armen Abstraktion, das daher mit um so grösserem Fanatismus festgehalten wurde, weichen, wie denn überhaupt alle Einflüsse des Christenthums auf den Islam nur vorüber- gehender Art waren. Wir begegnen bereits häufiger dem Begriffe einer Vorherbestimmung: in S. 54omnis res confirmata est; v. 12ut jam(profecto) determinatum s. decretum erat, mit Beziehung auf die Fluth zur Zeit Noah's. Dann das oft wiederkehrendeWir haben den Korân zur Ermahnung leicht gemacht, und dennoch wer will sich mahnen lassen? Aber im Gegensatz hierzu weiter unten v. 50 das rücksichtslose decretumquid- quid est, decreto determinavimus, wo die Vorherbestimmung doppelt, durch ein Substan- tiv und Verbum, ausgedrückt ist, und zwar durch zwei Wörter von verschiedenen Stämmen, um die Vorstellung einer Tautologie oder Phraseologie zu beseitigen. S. 37 spricht noben der eigenen Verantwortlichkeit der Verführten ungeschminkt am Ende die Werthlosigkeit der zur Hölle Prädestinirten aus. S. 76Wer nur will, der nimmt seinen Weg zum Herrn; nec voletis, nisi deus vult«...denn er führt, wen er will, S. 26Wir haben es so in die Herzen der Uebelthäter gelegt, dass sie nicht daran glauben sollen, bis sie schen die peinvolle Strafe.... neben:Wir haben keine Stadt ungerecht behandelt, ihr stets vor der Zerstörung Propheten gesandt. S. 15 Satan spricht zu Gott:Da du mich, o Herr, zur Verführung bestimmt hast etc. So verführt er mit Gottes Genehmigung die Menschen, mit Ausnahme der aufrichtigen Diener Allah's. An- ders das Buch Hiob(vgl. den Eingang zum Faust). Dem Gerechten darf der Satan nieht nahen, lehrt der Koran. Was heisst das anders, als dass er zum Guten prädestinirt, aber auch vor dem sittlichen Kampf mit der Versuchung bewahrt, d. h. seiner autonomen Per- sönlichkeit beraubt ist? Unsere Sure stellt die Sünde, den Sündenfall und die Gnade nicht unter eine ethische Kategorie, sondern unter die der absoluten Willkür der beleidigten Majestät Allah's. Das Ziel der Weltschöpfung ist nicht Offenbarung des Liebesrathschlusses sondern Selbstmanifestirung einer absoluten Allmacht, dasjenige der Weltentwicklung nicht Erlösung der Welt durch den göttlichen Geist, sondern der Sieg des Schöpfers als Neu- schöpfers, des Richters als Vernichters alles trotzigen Daseins zur winselnden Ohnmacht. Merkwürdig. In diese dualistische Apokalyptik verirrt sich ein Anklang an 1 Cor. 15:Wir aber erben einst die Erde und alles, was darauf ist, und zu uns kehren alle Dinge zurück (Sure 19, vgl. mit S. 15wir sind Erbe aller Dinge) eine Andeutung der Apokatastasis, an der ich, trotz der schwüchenden Interpretationen Weil's und Ullmann's, an unserer Stelle glaube festhalten zu müssen, aus sprachlichen und sachlichen Gründen. Sicher ist sich der Prophet des Widerspruchs in seinen Aussagen gar nicht bewusst geworden. Aus der Periode des Schwankens und Uebergangs will ich nur noch auf Sur. 36, Anfang, auf-