Aufsatz 
Die Prädestinationslehre des Koran / Spiess
Entstehung
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Caussin de Perceval, William Muir und Reinaud nicht näher bekannt sind, die deutschen Sprenger und Weil, von denen der letztere am weitesten in der Leugnung prädestinatianischer Verse geht. Sprenger hat ohnstreitig das Verdienst, das Leben und die Lehre Muhammed's mit grosser Belesenheit in bis jetzt unbekannten Schriften und mit nüchterner Kritik historisch-genetisch dargestellt und die einzelnen Momente der Lehre aus wichtigen Zeitereignissen und Zeiteinflüssen nachgewiesen zu haben, wie kein Biograph zuvor. Seine Ansiehten indess über Prädestination verrathen einen gänzlichen Mangel an theologischem Verständniss(Bd. II, Cap. XII, IV, pag. 300 ff.), indem er siech nicht ent- blödet, den Supranaturalismus einen frommen Schwindel zu nennen, die Ursache des Ver- falls der Völker des Orients; die moslemische Prädestinationslehre auf gleiche Linie zu stellen mit der tiefsinnigen institutio Calvin's, die Gnade als Grund der Entsittlichung und Lethargie zu beschuldigen. Er lehrt im Uebrigen, der Prädestinationsglaube, so frühe er sich auch im Korän finde, sei etwas unorganisches, wuhrend Muhammed in der frühe- sten Periode seines Wirkens die Freiheit des menschlichen Willens anerkannt habe, rühre von den Christen(Rahmänisten) her, sei aber nie zu einer geisttödtenden Theorie erstarrt, sondern nur ein bei gewissen Ereignissen praktisch verwertheter bloser poetischer Ge- danke, weleher wiedcr durch viele andere Stellen aufgehoben werde. Muhammed drehe sich im Kreise herum mit seinen Aussagen und benutze, im Grunde synergistisch, die Gnadenwahl nach Belieben. Die Stellen übrigens, welche Sprenger citirt, beweisen zum Theil wenig, wo er nicht zwischen Gnade und Gnadenwahl scharf scheidet, so wenig als zwischen Gnade und Gnadengabe; oder wenn ein Beispiel der strafenden Gerechtigkeit Allah's an den vermessenen Mekkanern, die dasWenn vergassen(vergl. Jac. 4, 15), nachgewiesen wird(S. 68, 17 fl.); oder wenn Stellen angeführt sind, welche die Allmacht Gottes preisen, den Undank der Menschen tadeln, den ärgerlichen Handel mit Abu-Bekrs verstocktem Sohn betreffen(S. 11, 42.). Kurz ein ungelichtetes, theilweise werthloses Be- weismaterial, welches die Ansicht Sprenger's nicht deutlich genug darlegt. So viel jedoch erhellt aus seinen Erörterungen, dass, wie man auf christlichem Gebiet oft naiv genug versichert, die Erwählungslehre stehe in losem Zusammenhang mit dem reformirten, dem evangelischen Lehrbegriff, dessen Mittelpunkt sie doch ist, Sprenger die Prädestinations- lehre als bloses accidens des kordânischen Lehrbegriffs ansieht.

Wissenschaftlicher behandelt Weil unsere Frage. In seinemMohammed der Prophet ete. behandelt er am Ende, pag. 398 ff., die Ergebung und Prädestination und fasst sein Urtheil in den Worten zusammen:Die Freiheit des menschlichen Willens wird von Mohammed nicht geleugnet, und bei allem Glauben an einen unabänderlichen Rath- sehluss des Himmels wird doch dem Menschen der Gebrauch seiner Vernunft zur Ver- hütung jeden Uebels anempfohlen. Präciser fasst er es in seiner Abhandlung über den Islam(Einleitung, p. 95 fl). Er sagt daselbst, die Lehre vom göttlichen Rathschlusse sei mehr ein Produkt der Politik, als des Glaubens, werde daher im Korân zu Erregung von Furcht und Spendung des Trostes verwerthet. Vorsicht, Arbeit, Ringen nach Tugend sei geboten, zum Glauben ermahnt, vor der Hölle gewarnt. Die Prüädestinationslehre sei gerade demauf Furcht und Erwartung gebauten Religionssystem entgegen und werde durch eine Reihe Stellen entkräftet, ja geradezu widerlegt, besonders S. X, 107. XVII, 15. XVIII, 41, woselbst die Hölle als Strafe für Hochmuth und Unglaube erscheine.

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