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alliirten Truppen zu finden waren, auf Succurs, welche Wahrsagerinnen aus der Stadt, deren Gesichte, wie sie pehauptete, nie gelogen hätten, ihr prophezeit hatten. Ohnehin schien die Capitulation, die ihr den Geliebten entführen musste, sie stark zu beunruhigen. So wurde die immer noch rechtzeitige Uebergabe des Schlosses vereitelt, und der für die Rettung desselben entscheidende Moment verstrich unbenutzt. Das Element dehnte seine zerstörende Wuth immer weiter aus; während aber oben Dächer und Balkenwerk in hellen Flammen standen, Thurm und Kirche zusammenstürzten, war eine Anzahl hannover'scher Soldaten unten beschäftigt, durch drei mit Gewalt gebrochene Maueröffnungen in die Gewölbe einzudringen, wo man die Kasse und werthvolle Gegen- stände geborgen hatte. Hier plünderten und raubten sie ungestört, was ihnen vorkam, und verliessen beutebeladen den Ort, welcher ihnen längere Zeit gastlichen Schutz gewährt hatte, und der trotz der Neu- tralität seines Besitzers so muthwillig dem Verderben preisgegeben worden war. Als vor ihrem Abzug auf die Anzeige mehrerer Schloss- bewohner, dass die Besatzung unrechtmässiges Gut mit sich fortschleppe, der Commandant von Düring ihr Gepäck untersuchen lassen wollte, brachen sie in offene Meuterei aus; das gestohlene Geld führten sie in ausgehöhlten Broten nebst anderem Raube mit sich fort. In Giessen wurde ersteres seiner Hülse entkleidet, und Tabatieren, Tuch, Lein- wand etc. bei den Juden versilbert.— Als die Franzosen in das Schloss eingezogen waren, fand sich auch die Heldin der traurigen Katastrophe auf dem Platze ein. Ein Offizier, Namens de Chaliers, knüpfte eiu Ge- spräch mit ihr an. Der galante Franzose versicherte sie lächelnd, er selbst habe gesehen, wie sie die Kanone losgeschossen, die Kugel sei fast vor den Füssen seines Pferdes niedergefallen. Es habe ihn seit- dem nicht mehr gewundert, dass der hannover'sche Commandant, wel- cher so schöne Feuerwerker gehabt habe, das Schloss bis zu dessen Untergang nicht habe verlassen wollen.
Der Schaden, welchen der Prinz von Oranien durch die Einäsche- rung seines Schlosses erlitt, war enorm. 1,357,910 Gulden wurden für zerstörte Gebäude liquidirt, wozu noch 45,711 für Mobilien etc. kamen. Auch die Dienerschaft hatte 23,644 Gulden eingebüsst. Dass etwas wieder erstattet worden sei, hat nirgends verlautet.
So ging das Stammschloss der grossen Oranier zu Grunde, wel- ches, wenn nicht frivoler Leichtsinn ihm den Untergang bereitet hätte, noch heute mit seinen geschichtlich bedeutsamen Räumen zur Zierde der Gegend auf der Höhe des Berges stehen könnte, Der in Bezug auf historische Denkmale aller Idealität bare, nüchtern-öconomische Sinn des vorigen Jahrhunderts setzte das Werk der Zerstörung scho- nungslos fort. Die noch hoch emporragenden Mauern und Thürme mussten das Material für die Wohnungen der adeligen Regierungsbe-


