Aufsatz 
Das Dillenburger Schloß / von August Spiess
Entstehung
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cher die Protocolle derzur legalen Aufnehmung aller Umstände, die sich vor, während und nach der Belagerung und Einäscherung des fürstlichen Schlosses zu Dillenburg zugetragen niedergesetzten Special- commission enthält, und aus dem wir eines ganz anderen pelehrt wer- den. Dort übte nämlich während des Bombardements eine junge Dame, welche die Rolle einer Heroine spielte, einen unheilvollen Einfluss aus. Ein oranischer Beamter, Bergdirector B., war von den Mitgliedern der Regierung mit Frau und Töchtern auf dem Schlosse zurückgeblieben. Letztere standen in sehr freiem Verkehr mit den hannover'schen Offi- zieren, und namentlich die älteste hatte ein keineswegs platonisch ge- bliebenes Liebesverhältniss mit dem Commandanten von Düring ange- knüpft. Schon ehe das Beschiessen des Schlosses mit Bomben begann, erregte diese Einmischung der Frauen in die kriegerische Affaire den Aerger der Franzosen, so dass Major Grand dem Amtmann von Haiger, als derselbe in's Hauptquartier derselben kam, den Vorhalt machte, man scheine als Neutrale die königlichen Alliirten vor den französischen Kriegsvölkern sehr zu begünstigen. Auf dessen Versicherung. dass die Bevölkerung durchaus freundlich auch gegen die Franzosen gesinnt sei, erwiederte derselbe, er habe Facta in Händen, welche seine Reden mehr, als ihm selbst lieb sei, rechtfertigten, und zwar solche, von denen man schwerlich anderwärts im Laufe dieses Kriegs gehört habe. Denn nicht allein sei einer von den Herrn der Regierung mit den Hanno- veranern auf's Schloss gegangen und trüge alle Fürsorge für dieselben, man habe auch durch die Ferngläser deutlich gesehen, dass Damen mit den alliirten Offizieren auf dem Walle spazieren gegangen seien, und eine von ihnen sogar den Muth gehabt habe, auf die Belagerer eine Kanone loszubrennen. Dies Verhalten sei derart, dass, wenn noch im allergeringsten Aehnliches vorkäme, man nicht umhin könne, Stadt und Schloss mit Feuer zu ängstigen. Als das Feuer auf dem Schlosse um sich griff, riethen die Schlossbewohner dringend zur Uebergabe. Der eine der Lieutenants, Namens Albrecht, ein Heisssporn, drohte zwar, den, welcher noch einmal davon spreche, wie einen Hund nieder- zustechen, der andere dagegen, Lesthen mit Namen, rief, als er die beginnende Zerstörung gewahrte, die Hände ringend, es sei unerlaubt, dass man so viel unnützer Weise auf's Spiel gesetzt habe. Selbst der Commandant sah ein und sprach es aus, dass man die Sache nicht so weit hätte sollen kommen lassen; man hätte eher die Uebergabe des Schlosses, als diesen Brand verantworten können. Auch war er schon im Begriffe, Chamade schlagen zu lassen, was wenigstens die Einstel- lung des feindlichen Bombardements zur Folge gehabt und die Möglich- keit gegeben hätte, dem weiteren Umsichgreifen des Feuers Einhalt zu thun. Da aber erschien seine Geliebte, und vermochte es über ihn, dass er davon abstand. Sie hoffte, während doch weit und preit keine