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was sich auf demselben zugetragen hätte, anzuführen. Nur seine Belagerung durch die Franzosen im Jahre 1760 und die während derselben erfolgte Zerstörung bildet einen charakteristischen Beleg für die Trostlosigkeit der deutschen Zustände in damaliger Zeit. Es hatten sich nämlich, obgleich das Land für neutral erklärt war, zwei Compagnien hannover'scher Jäger in dasselbe geworfen und sich in ihm festgesetzt. Von hier aus überfielen sie französische Transporte, die des Weges kamen, hoben Stafetten auf, und was dergleichen Ve- xationen mehr waren. Da zeigte sich am 28. Juni 1760 ganz unver- muthet ein Corps Franzosen unter dem Marquis de Cameras in nächster Nähe. Dieser liess den Commandanten, Hauptmann von Düring, so- gleich auffordern, das Schloss zu übergeben, doch wurde ihm sein Be- gehren rundweg abgeschlagen. Nun wurde dasselbe von den nahen Anhöhen aus während 13 Tagen mit 3150 Kanonenkugeln, 250 Haubitz- Granaten und 286 Bomben beschossen. Die Belagerer hatten zwar einen am 9. Juli in der Nacht versuchten Sturm tapfer abgeschlagen, auch erwiederten sie eine Zeitlang kräftig, doch ohne Erfolg, das Bom- bardement. Am 13. Juli zur Mittagszeit gerieth das Schloss in Brand; eine in die sog. Heuscheuer gefallene Bombe hatte gezündet, und das Feuer verbreitete sich schnell von da über die Kirche und die ihr be- nachbarten Schlossflügel. Da während des Brandes unaufhörlich Bomben in die Gebäude und auf die Höfe fielen, war an Löschen nicht zu den- ken. Die Mannschaft hielt sich in den Kasematten, bis auf die we- nigen oranischen Soldaten der früheren Schlosswache, welche mit Le- bensgefahr retteten, was noch zu retten war. Endlich capitulirte der Commandant auf die Bedingung freien Abzugs, und die Franzosen be- setzten das Schloss, welches, da der Brand hauptsächlich die nördlich gelegenen Gebäude eingeäschert hatte, auf der entgegengesetzten Seite noch Räume zur Kasernirung der Truppen in sich schloss, und mit seinen intacten Umfassungsmauern, in welche nur eine unbedeutende Bresche geschossen war, einen Stützpunkt für ihre Operationen bot, den sie durch Anlage neuer Werke noch mehr befestigten.
Wenn schon die Lage des Schlosses zwischen ganz nahen, es vollständig beherrschenden Bergen einen durchaus ungünstigen Erfolg seiner Vertheidigung durch eine Handvoll, mit geringer Munition ver- sehener Soldaten erwarten liess, so dass selbst ein für kriegerische Ehre sehr empfindlicher Commandant pedenklich geworden wäre, so war der Leichtsinn, mit welchem man ein grossartiges Bauwesen, das unter dem Schutze der Neutralität stand, und das zu vertheidigen man gar keinen Beruf hatte, der Zerstörung eines Bombardements preisgab, unverzeih- lich. Und wenn noch eine ihres Zieles bewusste kriegerische Tapfer- keit die Triebfeder dieser scheinbar heldenmüthigen Vertheidigung ge- wesen wäre. Es ist jedoch ein starker Actenfascikel vorhanden, wel-
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