Aufsatz 
Das Dillenburger Schloß / von August Spiess
Entstehung
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amten abgeben, welche sich nun in der Stadt in einer neuen Strasse anbauten. Einige derselben kamen auch um die Erlaubniss zur Anle- gung von Gärten in dem Schlossreviere ein; im Frohndienste wurden nun die unteren Partien desselben bis zur Unkenntlichkeit planirt, so dass heutigen Tages eine der früheren Thorfahrten, ein gewaltiges Ge- wölbe, mehr als zwei Stockwerke tief in der Erde vergraben liegt. Jetzt hat die Ruine nur noch der Einwirkung der Elemente Trotz zu bieten. Aber fast jedes Jahr lösen sich Stücke von den ohnehin kargen Ueberresten des Mauerwerks ab, sodass, wenn nicht dem steten Verfall ernstlich gesteuert wird, voraussichtlich in nicht allzulanger Zeit auch diese letzten Reste in sich zerfallen und einen wüsten Schutthaufen bilden werden. Um diesem gänzlichen Ruin zu begegnen, hat sich in Dillenburg ein Comite gebildet, welches sich die Aufgabe gestellt hat, die baufälligen Partien stützen, das verunzierende Gerölle beseitigen und wenigstens einen Theil der grossen Gewölbe aufräumen zu lassen. Um aber insbesondere das Gedächtniss Wilhelms des Verschwiegenen zu ehren, der gerade vor dreihundert Jahren sein grosses Werk hier vor- pereitete, sollte während dieser Säcularjahre als monumentales Denkmal ein Thurm auf der Stelle eines früheren erbaut werden, welcher schon von Ferne den Touristen die Stätte, wo dieser grosse Mann geboren ist und eine so wichtige Lebensepoche zugebracht hat, bezeichnen, und in seinem Inneren mit allerlei noch vorhandenen Alterthümern und mit Bildern, welche wichtige Momente aus seinem Leben darstellen, ausge- schmückt werden sollte. Der Krieg des vorvorigen Jahres hat das Unternehmen in's Stocken gebracht; auch die bedrohlichen Aussichten im vorigen Winter und Frühling waren nicht geignet, dasselbe zu för- dern, jedoch ist der Plan nicht aufgegeben. Sehr dankenswerthe Gaben, zum Theil aus fürstlicher Hand, sind bereits eingegangen; indessen pleibt noch viel zu steuern übrig, wenn das Werk dankbarer Pietät gegen den Mann, der für politische und religiöse Freiheit wie kein An- derer gestritten und gelitten hat, und dessen Charakterfestigkeit und staatsmännischer Einsicht die neuere Zeit so vieles schuldet, zur Aus- führung gelangen soll.