Aufsatz 
Das Dillenburger Schloß / von August Spiess
Entstehung
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mal, im Jahre 1635, drang ein Corps ligistischer Truppen unter dem Grafen Philipp von Mansfeld bis vor die Stadt und bewarf das Schloss mit glühenden Kugeln. Ludwig Heinrich, der ihm hier entgegenstand, zog sich, der Uebermacht weichend, nach einem kurzen, nicht unrühm- lichen Gefechte auf dasselbe zurück; die in die Stadt eindringenden feindlichen Truppen wurden zwar wieder herausgeschlagen, doch ent- fernte sich Mansfeld erst aus der Gegend, nachdem er eine Contribution erhoben hatte.

Bedeutungsvoll jedoch ist Schloss Dillenburg während des dreissig- jährigen Krieges durch die Gefangenschaft des tapferen Schotten, schwe- dischen Generalmajors Ramsay geworden. Als dieser nämlich die Grafen Philipp Moritz von Hanau und Wilhelm Otto von Solms in der Resi- denz des ersteren in Gefangenschaft hielt, verband sich Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg, welcher ein naher Anverwandter Beider war mit dem Kurfürsten von Mainz, um dieselben zu befreien. Mit 200 Mann aus seiner Schlossgarnison, zu denen noch 400 Kurmainzer stiessen, überrumpelte derselbe den 23. Februar 1638 frühmorgens die Stadt. Ramsay, welcher die Neustadt noch vertheidigen wollte, wurde durch eine Kugel schwer verwundet und gefangen. Sobald er transportfähig war, wurde er unter einer Bedeckung von 50 Mann in einer Sänfte nach Schloss Dillenburg gebracht. Hier genoss er anfänglich die seinem Range und seinen kriegerischen Verdiensten gebührende Achtung in vollem Maasse; es wurde ihm ein freundliches Zimmer eingeräumt, er speiste Mittags und Abends an der gräflichen Tafel und konnte zu jeder Zeit unter Begleitung ausreiten. Ein nach der Schlacht bei Rheinfelden gemachter Versuch, ihn auszuwechseln, scheiterte jedoch an dem Willen des Kaisers, und als später Ludwig Heinrich, mit welchem Ramsay übereingekommen, für den Fall seiner Befreiung die für seine Vorlagen während der Occupation von Hanau ihm früher zugesagten, aber noch nicht ausgezahlten 50000 Reichsthaler als Lösegeld ihm zu überlassen, bei jenem wegen Losgebung des Gefangenen anfragte, hatte dies nur die Weisung zur Folge, denselben strenger zu bewachen. Ein Besuch des Grafen Wilhelm Otto von Solms, bei welchem sich Ramsay über harte Behandlung beklagte, führte eine heftige Scene herbei, in welcher sehr bittere Worte zwischen ihm und dem Grafen Ludwig gewechselt wurden. Der Gefangene liess nun diesem durch seinen Diener die Tafel aufkündigen und vermied jede Zusammenkunft mit ihm. Die Heftigkeit der Entzweiten, von denen der eine sein Hausrecht und der andere seine Stellung als schwedischer Offizier geltend machte, verschlimmerte noch die Lage Ramsay's. Der Graf liess ihn sogar in Folge einer Weigerung, vor Absendung seiner Briefe diese erst zur Durchsicht vorzulegen, in Ketten schliessen. Doch bereuete er nach vier Tagen seine Härte und bat ihn schriftlich um Verzeihung. Indessen konnte nach solchen Vor-