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vnd viel weniger„auf seine Kosten tractirt“ werden solle. Die Räthe sollen sich„excusiren, als derwegen expressen Verbott zu haben“. Wenn jedoch die gräflichen Brüder kommen und Nachtlager nehmen wollten, so solle ihren Pferden Hafer und rauhes Futter verabfolgt und„der Frau Mutter“ für jede Person zur Mahlzeit zugelegt werden. Uebrigens liess sich der Graf nicht blos über die Verwaltung des Landes, sondern auch über den Haushalt auf's genaueste Bericht erstatten, und gab über alles bis in's einzelnste gehende Instructionen. Selbst auf Reparaturen der Fenster und Dächer, auf Anschaffung von Victualien und Hausge- räth— die feinere Leinwand schickte er selbst von Holland aus— erstreckte sich seine Fürsorge. Und obwohl er„der Frau Mutter“ zu- traut,„dass Ihro Liebden keines Memorials vonnthen“, so lässt er ihr doch,„insonderheit was die Haushaltung insgemein“ betrifft, befohlen sein, und bittet sie speciell, die Aufsicht über Zinnwerk, Küchengeschirr, Betten, Umhänge und Tapisserien zu führen.„Also auch das Aug des Herrn der beste Haushalter ist, will viel zur Sache thun, ob bisweilen Frau Mutter spazierweis sich auf beide Höfe zu Sinn und Peldbach finden liesse, um das Vieh zu besehen, und ob sonsten alles richtig zugehe.“
Die sich mehrenden Aussichten auf den Krieg, dessen Schrecken Deutschland dreissig Jahre lang heimsuchen sollten, waren auch nicht geeignet, den beschränkten pecuniäâren Verhältnissen auf Schloss Dillen- burg aufzuhelfen. Obwohl indessen Graf Wilhelm Ludwig, wie er schreibt,„schier aus Schulden kaum bleiben könne,“ gab er doch Be- fehl, dasselbe mit Proviant und Munition zu versehen, und war sogar bereit,„weil die Luft droben verzehrt und die Leute stärkere Magen haben“, der Besatzung zu der in den Niederlanden üblichen Ration von 1 Pfund Brot täglich ein halbes Pfund per Kopf zuzusetzen. Auch sendete er im Jahre 1619 den Ingenieur Falkenburg, um das Schloss durch neue fortificatorische Anlagen in einen besseren Vertheidigungs- zustand zu setzen, da man nicht mit Unrecht grosse Neigung zu einer Occupation desselben von Seiten der spanisch-niederländischen Truppen befürchten musste. Wilhelm Ludwig erlebte indessen den Ausbruch des Kriegs am Rheine nicht; er starb schon im Jahre 1620, und auch sein Bruder Georg, welcher ihm succedirte, regierte über die Dillenbur- gischen Lande nur drei Jahre. Dessen Sohn Ludwig Heinrich aber hatte mit diesen alle Drangsale des dreissigjährigen Krieges, in welchem er von 1631 an als schwedischer Oberst und seit 1636 als General- wachtmeister im kaiserlichen Heere verschiedene Feldzüge selbst mit- machte, zu erfahren. Schloss und Stadt Dillenburg blieben übrigens von einer feindlichen Occupation verschont. Zwar beabsichtigte Tilly im Jahre 1622 von der Wetterau, 1632 Pappenheim von Westphalen aus den nicht unwichtigen Punkt zu besetzen, doch lenkte der Gang der Kriegsereignisse die Pläne dieser Feldherrn auf andere Ziele. Nur ein-


