Aufsatz 
Das Dillenburger Schloß / von August Spiess
Entstehung
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befand sich auch die Folterkammer, gewöhnlich die Jungfrau genannt, ein Raum, dessen Ende fast brunnenartig hinabgeht, und heutigen Tags auf der Sohle mit Wasser angefüllt ist. Alle diese Eingänge hatten mehrere, in Zwischenräumen hintereinander folgende Thore, so derjenige durch's Feldthor allein unter dem Rondel sieben; der durch's Kirchen- thor mehr als fünf, und der durch's Grabenthor sechs, welche sämmt- lich bei Nachtzeit geschlossen wurden. Und zwar wurde dabei mit der allergrössten Vorsicht verfahren. In einem Berichtewie die Wacht dahier zu Dillenburg den 20. November 1606 angestellet und verbessert worden, heisst es:Die Schlüssel zu den Feldthoren, Kirchenthoren vndt Grabenthoren und Pfortten sollen in zwei Theile getheilt werden, vndt jeder Wachtmeister die helfte solcher Schlüssel gebrauchen vndt Grawe Johan(der Mittlere) vndt Grawe Georg des nachts jeder die helfft der Schlüssel haben, damit also kein Wachtmeister ohn den andern die thor allein öffnen könne.

Mit Wasser war das Schloss auf's Beste versorgt. Die Haupt- leitung, welche ihm dasselbe zuführte, hatte ihre Quelle am Rande des jetzigen WalddistriktsGaulskopf,vff dem Bergk bei den Linden, wie es in den Acten heisst, und war in einem hölzernen Kasten ge- fasst. In einem Memorial, welches Wilhelm Ludwig, damals Statthalter von Ostfriesland, im Jahre 1613 fürseine Frau Mutter entworfen hatte, erfährt man indessen, dass man für nöthig befunden, die Quelle besser zu verwahren.Es muss auch die Quell des Brunnen besser versehen werden, vmb der Gefahr halber, dass man sie leichtlich ver- geben vndt vergifften kann, dazu der Brunnenmeister zu Greifenstein kann gebraucht werden. Eine weitere Vorschrift gibt Zeugniss von den eigenthümlichen Anschauungen über die Gesetze der Physik in da- maliger Zeit; es soll nämlichein klein Loch in eine der hölzernen Röhren,da das Wasser aus dem Kasten ausfellet, gebohrt werden, dass der Wind das Wasser ziehen kann. Innerhalb des Schlosses verzweigte sich diese Wasserleitung nach verschiedenen Seiten hin. Ausserdem aber besass dieses noch vier Brunnen. Der tiefste derselben lag im sog. Krautkeller, jetztdie Löwengrube genannt, einem mäch- tigen Gewölbe von 200 Fuss Länge, 20 Fuss Breite und 14 Fuss Höhe, welches sich mitten durch den Felskegel, welcher das alte Schloss trug, seiner ganzen Länge nach hinzieht, und in dem man, nachdem es vor

In einem Memorial aus dem Jahre 1613 werden diese Gefängnisse ohne Fenster erwähnt, in welche auf einer Leiter diepatienten einsteigen, und es wird nöthig befunden,in dem Söller über dem Gefängniss bedqueme Kammern anzulegendarinnen von starkem dickem Eichenholz Kasten gesetzt werden, welche mit Eisengitter ringsum versehen sein sollen. Diese Gefängnisse sollen alleinzur straf« gebraucht und die Gefangenen anderwärts,wo es luftig, untergebracht werden.