Aufsatz 
Das Dillenburger Schloß / von August Spiess
Entstehung
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baute hohe Mauer, die westliche von letzterem Bollwerk über das Jäger- gemach hinaus durch den steilen Abhang nach der sog. Marbach hin unangreifbar. Die südöstliche, offenbar zugänglichste Seite war dagegen durch mehrere Mauern, durch den im Jahre 1619 von Falkenburg an- gelegten, in Fels gehauenen Graben und ein vor demselben gelegenes Hornwerk, die südliche Seite endlich durch einen tiefen Wallgraben. welcher von Kasematten flankirt war, geschützt. Uebrigens war auch die vom Grafen Johann V. erbaute Stadtkirche in den Bereich der Schlossbefestigungen hereingezogen, sowie die von Johann VI. angelegte Stadtmauer die äusserste Vertheidigungslinie im Thale bildete.

Drei Eingänge führten zu dem Schlosse, von denen der nach- den gelegene, das Feldthor, als der Haupteingang zu betrachten ist. Ein kleiner Vorhof, auf welchem die berühmt gewordene Linde stand, nahm zuerst den Besucher desselben auf. Dann ging es über eine Zug- brücke in den unter dem Rondel herführenden langen gewölbten Thor- gang; aus diesem trat man wieder in's Freie und bog entweder rechts ab in den unteren Schlosshof, oder ging gerade aus zwischen Mauer- werk auf beiden Seiten, in welchem links die dreifach übereinanderliegen- den Pulverkammern sich befanden. Dieser Hauptweg ging dann dem Jägergemache zu, unter welchem abermals eine gewaltige Thorfahrt von 81 Fuss Länge, 20 Fuss Breite und 25 Fuss Höhe hinführte, welche derzeit aufgeräumt, die Bewunderung jedes Besuchers erweckt. Mit dieser Thorfahrt standen zahlreiche, theils mit Schiessscharten versehene Gewölbe und Treppen in Verbindung, welche aufwärts in die oberen Schlossräume führten. Darauf abermals ein freier Weg zwischen Mauern her, der sog. Unterwall, bis unter der scharfen Ecke eine dritte gewölbte Thorfahrt zu dem unteren Schlosshof hinaufleitete. Dort angelangt hatte man beinahe zwei Dritttheile der Schlossgebäude in einem Bogen umgangen. Ein zweiter Eingang, das sog. Kirchenthor, von grös- serer Steigung, für Fuhrwerke schwerlich zu passiren, mündete bei der scharfen Ecke in die Haupteinfahrt. Der dritte war das sog. Graben- thor, welches unter dem Junkerngemach direkt nach dem unteren Schlosshof führte. Heutzutage ist dasselbe gleichfalls zum grossen Theile aufgeräumt und dient zu einem Bierkeller. Auch an diese gewölbte Thorfahrt reihten sich seitwärts verschiedene andere Gewölbe an, nach der linken Seite die nach dem PFeldthor sich hinziehenden, den Schloss- graben beherrschenden Kasematten, nach rechts in niedrigerer Lage die kleinen lichtlosen Gewölbe), welche als Gefängnisse dienten. Hier

) Diese waren indessen nicht die einzigen Gefängnisse auf Schloss Dillenburg; es befanden sich auch solche an der scharfen Ecke unter dem jetzigen Stock- hause, welche heutzutage zugemauert sind. Uebrigens empfand man zu An- fang des siebenzehnten Jahrhunderts schon einigermassen die grausame Härte, Menschen in solchen dunkeln und dumpfen Räumen schmachten zu lassen.