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einen unfreiwilligen Gast, welcher sich, während Wilhelm seine hoch- herzigen Pläne unter tausend Mühen und Gefahren verfolgte, an dessen Hausehre schwer versündigt hatte. Es war der aus Antwerpen ausge- wanderte Stadtrath Jean van Rubens, Dr. beider Rechte, der Vater des berühmten Malers Rubens.
Des Prinzen Gemahlin Anna war während des Feldzugs im Jahre 1568 auf Schloss Dillenburg geblieben. Genusssüchtig in hohem Grade, — sie liebte den Wein bis zum Berauschtwerden, und pflegte schon Morgens eine damalige Maas zu trinken, welcher am Nachmittage ein noch grösseres Quantum folgte ¹)— fand sie an dem einfachen Leben auf dem Schlosse, zumal die harte Zeit noch grössere Entbehrungen auferlegte, wenig Gefallen. Sie begab sich daher nach Köln und führte dort eine Zeitlang einen verschwenderischen Haushalt. Als Wilhelm nach seiner Rückkehr sie wieder zu sich nach Dillenburg einlud, und ihr an's Herz legte, dass sie einst vor Gott und seiner heiligen Kirche gelobt habe, alles in der Welt zu verlassen und ihrem Manne zu fol- gen, und dass in Elend und Gefahr nirgends ein grösserer Trost ge- funden werden könne, als wenn der Mann erfahre, dass seine Hausfrau mit Geduld ihres Herrn Kreuz tragen helfe, besonders wenn er gemeint habe, Gottes Ehre zu befördern und die Freiheit seines Vaterlandes zu suchen, so liess sie ihn acht Monate vergeblich warten, und hatte dann keine andere Antwort, als dass diese Zusammenkunft mehr Unheil als Heil bringen werde. Von Subsistenzmitteln entblösst, begab sie sich darauf, Dillenburg im Kreise umgehend, über Frankfurt, Giessen und Marburg nach Siegen, wo sie während des Jahres 1570 verweilte. Dort- hin war ihr auch unter dem Titel eines Rechtsbeistandes Jean van Ru- bens gefolgt, welchen sie in Köln hatte kennen lernen, und mit dem sie sich in ein compromittirendes Verhältniss eingelassen hatte. Hier, im Gebiete der Grafen von Dillenburg, liess diesen die Strafe nicht lange auf sich warten; er wurde zuerst in Siegen eingekerkert und dann
¹) Die damalige Maas ist jedoch jedenfalls bedeutend kleiner gewesen, als die jetzige.— Uebrigens sind wir durch die zum Theil noch vorhandenen Rech- nungsbücher des Schlosses Dillenburg aus dem Jahre 1567 in den Stand ge- setzt, das, was täglich an die einzelnen Schlossbewohner verabreicht worden ist, genau zu ermitteln. In einem derselben heist es: Sonntag den 8. Juni ist an Wein verspeist worden, zu Nacht: vor meinen gnädigen Herrn Prinzen 2 Maas, vor meine gnädige Frau, die Prinzessin(Anna) 3 Maas, vor meine gnädigen Herren vff die lang Taffel 10 Maas, vff der Jongfern und zween Junkern Tisch 25 Maas. Sieben Knechtetisch 18 Maas; vff dem Sommerhaus ein Tisch 5 Maas, vor die Junkern, so vffgewartet 16 Maas; drei Dienertisch 8 Maas; drei Prinzessin Kammermägde 3 Maas etc. Schlaftrunk: Frauenzim- mer 2, junge Herrn 5, vor meine gnädige Frau, die Prinzessin 2, vor meinen gnädigen Herrn Prinzen 2. vor der Prinzessin Jungfern 2 Maas.


