Aufsatz 
Das Dillenburger Schloß / von August Spiess
Entstehung
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ersten Kriegshelden seines Jahrhunderts hochgepriesene Moritz von Oranien, welcher das unvollendet gelassene Werk seines Vaters ruhm- voll weitergeführt hat. Die Kindtaufe wurde mit grossem Pompe ge- feiert; alle benachbarten Fürstenhöfe betheiligten sich bei derselben, selbst von Kassel und Dresden waren Abgeordnete erschienen. Wie gross die Zahl der vornehmen Gäste und ihres Gefolges gewesen sein musste, peweist die urkundliche Nachricht, dass während des achttägigen Festes 700 Pferde auf dem Schlosse und in der Stadt Dillenburg unter- gebracht waren.

Am 6. April erliess Wilhelm von Dillenburg aus die Commission an seinen Bruder Ludwig, der, wie er selbst Haupt und Herz der Er- hebung, so die rechte Hand derselben genannt worden ist. In dieser Commission heisst es:Um unsere Liebe zu dem Monarchen und seinen angestammten Landen an den Tag zu legen, um der Verheerung, welche die Provinzen durch die Grausamkeit der Spanier erdulden müssen, ein Ende zu machen, um die von Sr. Majestät und ihren Vorgängern be- schworenen Privilegien aufrecht zu erhalten, um die Ausrottung, mit welcher alle Religion durch die Edicte bedroht ist, abzuwenden, und die Söhne und Töchter des Landes aus unwürdiger Sclaverei zu erretten, haben wir unsern sehr geliebten Bruder Ludwig von Nassau peauftragt, so viel Truppen anzuwerben, als er für nöthig halten wird. Nun galt es aber auch, sich Bundesgenossen zu verschaffen und Geld zu den Kriegsrüstungen aufzubringen. In einer Versammlung, welcher die Fürsten von der Pfalz, von Würtemberg, Baden, Hessen und sämmt- liche Grafen von Nassau peiwohnten, electrisirteder hochgeborne De- mosthenes die Anwesenden durch seine stürmischen Angriffe auf den spanischen König. Pr selbst. ging mit rühmlicher Opferbereitwilligkeit voran; sein Silbergeschirr, seine Kleinodien, Tapisserien etc. versetzte er für 70,000 Gulden; andere Kostbarkeiten und Mobilien liess er in Frankfurt verkaufen, während sein Bruder Johann die Grafschaft Dietz verpfändete, um möglichst zahlreiche Truppen werben zu können.

Mittlerweile hatte sich die Zahl der Flüchtlinge, welche Alba's Blutherrschaft entronnen waren und bei Wilhelm Schutz und Hülfe suchten, von Woche zu Woche gemehrt. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen in Trauergewändern waren erschienen. Am 14. April 1568 langte auch eine Gesandtschaft unter Führung des Banquiers Marcus Perez aus Antwerpen und der Kaufleute Jean Karlien und Charles Bomberg, welche Wilhelm zur Befreiung der Niederlande an die Spitze der Nation berufen sollte, in Dillenburg an. Noch heutzutage zeigt man die damals den Weg zum Hauptthore des Schlosses beschattende alte Linde, unter welcher Wilhelm diese bedeutungsvolle Gesandtschaft bewillkommnete, und sieht in ihr nicht mit Unrecht ein ehrwürdiges historisches Denkmal; denn mit der offiziellen Kundgebung des Wun-