Aufsatz 
Das Dillenburger Schloß / von August Spiess
Entstehung
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Schlosse seiner Väter verlebte, um dann auf den Wunsch Kaiser Karl V. in Brüssel unter dessen Pagen zu treten, berichten die Urkunden aus damaliger Zeit nur wenig; soviel ist indessen gewiss, dass er bis dahin im Lutherischen Glauben erzogen wurde. Lange Jahre sah er, von der immer wachsenden Gunst des Kaisers festgehalten, seine Heimath nicht. Ob er sie im Jahre 1558, als er am 24. Februar als Bevoll- mächtigter desselben die deutsche Krone Ferdinand zu Frankfurt über- reichte, besucht hat, ist ungewiss, doch spricht dafür, dass sie nur 18 Stunden von dieser Stadt entfernt ist. Im folgenden Jahre starb auf Schloss Dillenburg Wilhelm der Reiche hochbetagt, und Johann VI., später Johann der Aeltere genannt, Wilhelms des Verschwiegenen vor- trefflicher Bruder, succedirte ihm in den Dillenburger Landen.

Unter seiner Regierung war es denn auch, dass dieser, seine Statt- halterschaft verlassend, und den ihn in den Niederlanden bedrohenden Gefahren aus dem Wege gehend, eine Zufluchtsstätte in der Heimath fand. Am 7. Mai 1567 langte er mit seiner Familie und mit einem Gefolge von 150 Personen auf dem Schlosse Dillenburg an. Da auch Johann dasselbe durch verschiedene ansehnliche Bauten erweitert hatte, vermochte es die vermehrte Zahl seiner Bewohner bequem zu fassen. Wilhelm selbst, als Haupt des Hauses, erhielt nach errichtetem Burg- frieden und gemeinsamer Hausordnung die schönsten und elegantesten Räume zur Wohnung, welche auch später noch den Namen des Prinzen- gemachs fortführten.

Bald bildete Schloss Dillenburg den Mittelpunkt eines sehr regen Verkehrs. Flüchtlinge aus den Niederlanden kamen schaarenweise an; Obersten und Hauptleute geworbener Truppen gingen ab und zu; die benachbarten Grafen und Fürsten statteten ihre Besuche ab, unter denen sich jedoch der tiefe Ernst politischer Berathungen verbarg. Von hier aus trat aber Wilhelm auch offen hervor; er erliess seinen berühmten Protest gegen Alba's Anklageschrift und Vorladung vor den Rath der Unruhen, in welchem er seinen Rücktritt zum Protestantismus bekannte und in Bezug auf die Niederlande den denkwürdigen Ausspruch that: Mein Rang als Fürst und einer der niederländischen Grossen legt mir die Verpflichtung auf, die Niederlande von der Sclaverei zu befreien, in welche man sie niederdrücken will. Ich hoffe, dass König Philipp, dessen gute Absichten durch die treulosen Ränken einiger Spanischen vereitelt worden, die Treue der Landschaften und seinen öffentlichen Eid, die Freiheiten derselben aufrecht zu erhalten, einst besser in Er- wägung ziehen wird.

Am 11. December 1567 trat ein für Wilhelm höchst erfreuliches Familienereigniss ein; seine Gemahlin, Anna von Sachsen, gebar ihm einen Sohn, welcher am Dreikönigsfeste 1568 in der Stadtkirche zu Dillenburg getauft wurde. Dieser Sohn war der nachmals als einer der