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gespalten hatte. Graf Heinrich II., mit dem Beinamen der Reiche, legte dasselbe in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, nach Rauschard 1240, gleichzeitig mit der Ginsburg, deren Trümmer im Siegen'schen in der Nähe der Ederquelle noch zu sehen sind, zum Schutze des nördlichen Theiles seiner Lande an. Sein Sohn Otto, der Stammyvater der nassau-ottonischen Linie, und dessen Nachfolger nahmen öfters ihren Aufenthalt auf demselben. Uebrigens gibt es aus diesen Zeiten wenig über die Burg zu berichten. Unter Otto's Sohne Heinrich soll dieselbe in einer Fehde mit den Dernbachern zerstört worden sein. Gewiss aber ist es, dass sie in den folgenden Kämpfen mit den Wester- burgern, Wittgensteinern und mit Hessen wieder vollständig widerstands- fähig war. Im Jahre 1390 sass der wilde Graf Johann von Wittgenstein, der durch seine Raubzüge die Nachbarschaft belästigt hatte, und vom Grafen Johann I. von Dillenburg gefangen genommen worden war, ein Zeitlang in ihr in Haft. Erst seit Wilhelm dem Reichen, dem Vater Wilhelms des Verschwiegenen,(† 1559) war Schloss Dillenburg die beständige Residenz der Grafen und nachmaligen Fürsten von Nassau-Dillenburg und der Sitz ihrer Regierung. Bereits in den Jahren 1468— 86 war es durch bedeutende Bauten beträchtlich erweitert worden. Nun errichtete um's Jahr 1536 Wilhelm der Reiche, welcher wegen des noch schwe- benden langwierigen catzenellenbogischen Erbfolgestreits vor dem Land- grafen Philipp von Hessen auf der Hut sein musste, die grosse Mauer auf der Nordseite des Schlosses, ein Meisterwerk alter Befestigungs- kunst, und legte auf der entgegengesetzten Seite tiefe Wallgräben an.
Schon früher, im Jahre 1526, beherbergte das Schloss einen Gast, dessen Anwesenheit für das Nassau-Dillenburgische Land von grosser Bedeutung gewesen ist. Es war Johann PFriedrich, Herzog und nach- mals Kurfürst von Sachsen, welcher den seinem Vater und ihm selbst befreundeten Grafen Wilhelm besuchte, und damals auf die Einführung der Reformation in diesen Gegenden wesentlichen Einfluss geübt hat. Davon zeugt ein Brief, welchen derselbe kurz nach seinem Besuche von Torgau aus an diesen schrieb, und in welchem es heisst:„Nachdem ich euch auch zu Tillenburg zugesaget, etliche Lutherische Bücher zu schicken, so thue ich euch der so fyl ich ir hab in dieser Eile bekom- men mögen, oberschicken, vnd hoff ich wil damit eynen gutten Christen aus euch machen mit göttlicher Hülff.“
Höchst bedeutungsvoll aber für die Geschichte von ganz West- europa wurde ein Ereigniss des Dillenburger Schlosslebens aus dem Jahre 1533; denn am 14. April dieses Jahres wurde dem Grafen Wil- helm von seiner zweiten Gemahlin Juliane, des Grafen Botho von Stolberg Tochter und Wittwe des Grafen Philipp II. von Hanau, sein erster Sohn Wilhelm, in der Geschichte der Verschwiegene genannt, geboren. Von seiner Jugendzeit, welche er bis zu seinem elften Jahre auf dem
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