Ueber die ſittlich⸗religiöſe Entwickelung Göthes bis zum Jahre 1774.
J. einer Zeit, in welcher ſich die geiſtige Bewegung größtentheils auf das religiöſe Gebich· 4 oncentrirt hat, und die in den theologiſchen Wiſſenſchaften wieder aufgenommenen und zu größeren 4 zertiefung geführten Gegenſätze ſich bekämpfen, in welcher mehr als je auch das kirchliche Leb n on dieſem erneuten Kampfe ergriffen iſt, mag es nicht ungeeignet ſein, den Blick zurückzuwendenn
ur höchſt enge Grenzen zugeſteht, ſo erſchien es dennoch zweckmäßiger, wenigſtens bis zu eingekt ntſcheidenden Wendepunkt in der ſittlich⸗religiöſen Entwickelung Göthes, wie ihn die Aufnaht es Studiums des Spinoza bezeichnet, die Betrachtung in gedrängter Ueberſicht fortzuführen, als N F. usführlicherer Erörterung ſich nur über die frühere Jugendzeit des Dichters zu verbreiten. 3 8
Wir vernehmen in unſern Tagen häufiger, als in früheren die Behauptung, Göthe ſei koce hhriſt geweſen; wie über Leſſings und Schillers, ſo wird auch über ſeine Religioſität und il in Chriſtenthum der Stab gebrochen. Sie alle, die Coryphäen unſerer Literatur, außer Klopſider nd nach der Anſicht einer Partei Heiden; ſie vornehmlich ſind die Begründer und Vorfechie s antichriſtlichen Geiſtes, welcher ſich jett in Deutſchland kund gibt. Jedoch läßt man Leſſinge as Verdienſt, Voltaire bekämpft, und uns durch ſeine Kritik von dem franzöſiſchen Einfluß befreit haben; mit Schiller ſöhnt man ſich einigermaßen aus, weil er durch ſeine ideale Poeſie ſtärkend ri nd belebend auf die Sittlichkeit wirke; aber Göthe iſt und bleibt verdammt; weil er vor Allen mit/ ½
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