Aufsatz 
Properz in seinem Verhältniss zu dem Alexandriner Kallimachus / Sperling
Entstehung
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schwung der Rede plötzlich Halt macht, um dann gleichsam von seinem Höhepunkte herab nach entgegengesetzter Richtung in abschüssigem Bette zu verfliessen, wobei gegen das Ende hin der Lauf wieder immer hastiger wird. Um das im Hexameter noch mehr hervortreten zu lassen, pflegt Properz den ersten Theil seiner Verse so zu bilden, dass der natürliche Wortaccent im Kampfe liegt mit den Hebungen der einzelnen Versfüsse, während in der zweiten Hälfte ictus und Wortaccent meistens zusammenfallen. Derartige Composition kommt aber bei den Griechen nur ganz ausnahmsweise vor, für welche freilich die Schwierigkeit bezüglich der zweiten Hälfte eine bei Weitem grössere war als bei einem Dichter in lateinischer Sprache, da die grössere Verschiedenheit der griechischen Wort- accente zu sehr im Wege stand.

Ein weiterer Vorzug des Properz ist der, dass er, um jenes Schwanken und Wogen der Em- pfindung, wie es zum Wesen der Elegie gehört, im Versbau wiederzugeben, mit Absicht häufig zu zwei Substantiven in ein und demselben Verse je geeignete Epitheta setzt, um das Ganze künstlich und elegant unter einander zu verweben, wie I. 3. 2.:

languida desertis Gnosia litoribus, so dass die Substantiva ihren vorausgestellten Attributen erst folgen, und zwar in derselben Ordnung. Dadurch werden dann zugleich die beiden auseinander gerissenen Halbverse, besonders im Pentameter, gleichsam durch ein natürliches Band wieder vereint, und das ganze Distichon wird weicher und melodischer. Seltener sind andere, an und für sich sehr schöne, durch beabsichtigte eigenthúmliche Stellung der Worte erzielte Versbildungen, wie I. 3. 4:

libera jam duris cotibus Andromede oder I. 20. 38:

candida purpureis mixta papaveribus u. s. w.(cf. Hertzberg, Tom. I. p. 174.). Ob derartige Figuren auch von Kallimachus mit Absicht angewendet seien, möchten wir bezweifeln. Denn daraus etwa es schliessen zu wollen, dass in dem Fragment(CVI. der Bentleyschen Sammlung, in der von Bentley selbst gebilligten Verbesserung Valckenaers):

Sdν˙ ε, Gνν ενο⁸μοαςα έςο έπηm στεαέἀνμος, und in der Elegie auf das Haar der Berenice, wie Catull sie übersetzt hat, v. 3:

flammeus ut rapidi solis nitor obscuretur und v. 6:

dulcis amor gyro devocet aerio und v. 20:

invisente novo proelia torva viro Aehnliches sich findet, scheint uns gewagt, da einmal die Uebersetzung doch nicht mit Sicherheit auf die Ausdrucksweise des Originals schliessen lässt, und sonstige Beispiele gar zu selten sind. Man sollte es auch kaum annehmen, dass die Alexandriner darauf ausgegangen sind. Denn wenn man erwägt, wie wenig sie sich darum kümmern, den Abschluss der Gedanken mit den natürlichen Grenzen der Distichen zu vereinigen, dass sie vielmehr ganz ohne Grund und ohne irgend welche zu erkennende Absichtlichkeit oft mitten im Pentameter den neuen Satz beginnen lassen, ihn dann durch den folgenden Hexameter weiter fortfuhren, um ihn womöglich inmitten des nächsten Pentameters abzu- schliessen, so kommt man wohl nicht mit Unrecht zu der Vermuthung, dass sie nicht allzu grosses

Gewicht darauf können gelegt haben, durch ein so enges Band, wie obige Figuren es bieten, sogar 3