Aufsatz 
Properz in seinem Verhältniss zu dem Alexandriner Kallimachus / Sperling
Entstehung
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atque ingens opus in minores contrahe gyros; maximo carmen tenuare tento.

Jeder Zweifel darüber, ob das Verbum tenuare jene Bedeutung habe, wird gehoben durch die folgenden Worte in Vers 8.exactus tenui pumice versus eat. Demnach müssen wir die Auslegung der meisten Interpreten zurückweisen, welche nach Beroaldus demtenuare carmen den Sinn unterschieben wollentenue i. e. levis argumenti et humile carmen componere.(cf. Hertzberg, Tom. III. 2.[IV.]I p. 246.)

Es ist augenscheinlich, dass die Art der Verse, wie sie ausgebildet waren von den alexan- drinischen Elegikern, als die für die Elegie allein passende von Properz belobt wird.

Bei Vergleichung der Verse des Properz und des Kallimachus sind wir nicht so auf Con- jectur und Combination angewiesen, als es bei der Prüfung des Inhalts ihrer Gedichte der Fall war. Denn da alle aus der Zeit der Alexandriner stammenden Dichtungen nicht gerade eine allzu ver- schiedene Behandlung der Verse aufweisen, selbst bei den verschiedensten Dichtungsgattungen nicht, so glauben wir ohne Weiteres berechtigt zu sein auch den Versbau der Hymnen und Epigramme des Kallimachus in unserer Betrachtung verwerthen zu können.

Der dactylische Hexameter hatte bei den römischen Dichtern erst spät Eingang gefunden. Während die iambischen und trochäischen Metra in Tragödien und Comödien schon längere Zeit und nicht ohne Geschick bearbeitet waren, wurde der epische Vers der Hellenen erst ums Jahr 200 zum ersten Male in die römische Literatur eingeführt durch Ennius in seinenAnnales. Wir dürfen uns darüber nicht wundern. Denn abgesehen davon, dass vor der Zeit des Ennius die Römer epische Stoffe, für die allein jener Vers sich eignet, nicht recht behandelt hatten, widerstrebte der ganze Charakter der lateinischen Sprache, die an Worten mit dactylischem Rhythmus und überhaupt an kurzen Silben nicht überreich war, dem dactylischen Metrum. Bei Ennius tritt das klar zu Tage. Selbst seine grössten Lobredner haben, so viel sie auch sonst an ihm gerühmt haben, nicht gewagt ihn zu vertheidigen gegen den Vorwurf der Härte seiner Verse. Nicht viel anders war es bei den Dichtern der folgenden Zeit. Wenn die Römer diesen Mangel peseitigen wollten, mussten sie erst die Werke griechischer Dichter studiren, um an ihnen als Vorbildern ihre eigene Sprache zu formen. Nichts aber lag ihnen näher zur Hand als die poetischen Schöpfungen der Alexandriner, bei denen der Versbau mit allen Feinheiten ausgebildet war. Die ersten Spuren des Nutzens aus dem Studium der Griechen zeigen sich bei Catull, wenigstens unter den Dichtern, deren Werke entweder ganz oder doch in grösseren Fragmenten uns überkommen sind. Obgleich ihm bei der Verbindung von Hexameter und Pentameter im Distichon das ungewohnte Metrum selbstverständlich die grössten Schwierigkeiten machen musste, zeigt sich in seinen Versen doch eine viel grössere Eleganz als es bei den rein dactylischen Gedichten seiner Vorgänger der Fall gewesen war. Seine Nachfolger in der Elegie konnten, da die Rhythmen der früheren Zeit dem Ohre der Zeitgenossen gar nicht mehr behagen wollten, seitdem sie durch fleissige Lectüre griechischer Werke deren Schönheit kennen gelernt hatten, ebenfalls nicht umhin, wenn sie gelesen werden wollten, den Versbau der Alexandriner sich zum Muster zu nehmen. Das römische Distichon gewann dadurch mehr und mehr an Weichheit und Schönheit. Freilich merkt man den Elegien eines Tibull und Properz nicht an, dass ihre Verfasser um des Metrums willen der lateinischen Sprache vielfach Gewalt angethan haben. Was speciell den Properz betrifft, so hat er von den Alexandrinern eifrigst Alles angenommen, was den Gang der