Aufsatz 
Properz in seinem Verhältniss zu dem Alexandriner Kallimachus / Sperling
Entstehung
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Liegt in allen diesen eben angeführten Stellen vielleicht irgend etwas so Individuelles oder Auffälliges, dass es nicht von verschiedenen Verfassern unabhängig habe erdacht und ausgesprochen werden können? Es ist nach unserem Dafürhalten unrichtig, bei zwei Dichtern aus Uebereinstimmung einzelner Gedanken gleich folgern zu wollen, der eine habe sie aus dem Werke des anderen ent- nommen. Ebenso müssen wir denen entgegentreten, welche ihre Behauptung der Abhängigkeit des Properz vom Kallimachus bei der 7. Elegie des IV. Buches(Ergo sollicitae etc.) beweisen wollen damit, dass sie sagen, Properz behandele darin augenscheinlich denselben Stoff, wie er ihn vorgefunden habe in dem Kallimachischen Gedicht, dessen Fragment bei Stobaeus erhalten ist(CXI. in der Bentley- schen Sammlung):

30, drενμ⁴ναντꝙαε⁴σινων ννυια dενυον roicαααα αανννον.α εαιαα »ανταιι νέ ν gi0q ενιοο α au‿νμιααν sανυνς έννον ευαρρααανο.

Aus der Behandlung desselben Stoffes durch verschiedene Autoren scheint uns die Berechti- gung zu der Annahme, dass es sich bei dem einen um plosse Nachahmung des anderen handele, noch lange nicht sich zu ergeben, zumal wenn der Stoff, wie in der fraglichen Elegie, so naheliegender Natur ist, wie die Verwünschung des Meeres als der Quelle vielfachen Unglücks. Dazu kommt noch, dass vom Kallimachus nur ein Fragment und noch dazu ein so verstümmeltes vorliegt, dass eine genauere Parallele gar nicht mehr zu ziehen ist. Auf andere Stellen in den Elegien unseres Pro- perz, die nach anderen Gesichtspunkten mit Stellen in den Werken des Kallimachus verglichen zu werden pflegen, kommen wir später zu sprechen.

Auf die Sprache übergehend, wollen wir nun sehen, ob nach dieser Seite hin der Römer dem Alexandriner etwas zu danken hat. Und weil bei der Sprache im Gedicht das Metrum von bedeuten- dem Einfluss ist, ja in gewisser Beziehung sie vollständig bindet, müssen wir zuerst auf dieses unser Augenmerk richten. Properz selbst bezeichnet, wie Hertzberg in seinen Quaestiones(p. 199 flg.) bemerkt, vielfach die Kallimachischen Verse als des Studiums und der Nachahmung würdig und scheint zuzugeben, dass auch er bei der Composition seiner Gedichte in formeller Beziehung unter dem Einflusse des Alexandriners gestanden hat. So lesen wir z. B. im Anfange der 1. Elegie des IV. Buches: 4

1. Callimachi manes et Coi sacra Philetae, in vestrum quaeso, me sinite ire nemus. primus ego ingredior puro de fonte sacerdos 8 Itala per Graios orgia ferre choros. 5. dicite, quo pariter carmen tenuastis in antro? quove pede ingressi? quamve bibistis aquam? ah valeat, Phoebum quicumque moratur in armis! exactus tenui pumice versus eat,.

Was hier im 5. Verse dascarmen tenuare zu pedeuten habe, lehrt uns der vulgäre Sprach- gebrauch vontenuis. Es kann danach nur heissen: ein Gedicht abfassen in zierlicher, eleganter und sorgfältig gefeilter Sprache bei ebenso sorgfältig behandeltem Metrum. So auch in den Versen des Statius(Silv. IV. 7.):