Bei Statius(Silv. I. 2. 252.) lesen wir:
Hunc ipse Coo plaudente Philetas Callimachusque senex Umbroque Propertius antro Ambissent laudare diem.
Schliesslich hat der Grammatiker Proklus überliefert: Aoredxu ᷣ uεεο(nämlich im Elegus) Ka³⁵ενν tε iν ερσαον αα Miuνεεμον ν KOXOTG1ν, d bòν oν TAsqoν ᷣνeν rν KSSor adl Kar³siuᷣeνον ν BTOv.—
Sollen wir nun in Rücksicht aller dieser Zeugnisse über Kallimachus zugestehen, dass wir in unserem Urtheil zu voreilig gewesen und zu schroff vorgegangen sind? Ehe wir dazu uns entschliessen. müssen wir die Sache doch erst etwas näher ansehen und prüfen, was auf jene einzelnen Aussprüche zu geben ist.— Da war zunächst Ovid mit seinen Lobeserhebungen.— Wie stimmen diese aber zu dem vorhin citirten Verse„ingenio non valet, arte valet“, durch welchen Kallimachus im Einklang mit dem, was wir von ihm halten, ebenso treffend als kurz charakterisirt wird? Das Gewicht dieser Worte sähen die Gönner des Kallimachus freilich gar zu gern beseitigt und haben auch verschiedent- lich es wenigstens abzuschwächen versucht. So Bernhardy, welcher(Gr. Litt. II. 2. p. 726.) sie bezeichnet als„im Uebermuth der Jugend gesprochen“. Sie enthalten aber ein viel zu weit tragendes Urtheil, als dass wir glauben durften, ein Ovid habe es nicht aus voller Ueberzeugung, sondern gegen seine bessere Ansicht abgegeben.— Mit gleichem Rechte könnten wir ja auch im Gegentheil behaupten, Ovid habe in den anderen Stellen den Kallimachus erhoben in poetischem Uebermuth.—
Es folgt dann Quintilian.— An Fülle der Gelehrsamkeit so leicht Keinem nachstehend— ermangelte er doch, wo es sich handelt um Beurtheilung und Schätzung dessen, was schön sei, im grossen Ganzen eines freien natürlichen Urtheils, und liess er sich vielmehr leiten von subjectiven Gesichtspunkten und durch Normen, die er selbst aufgestellt hatte, und denen er hartnäckig folgte. So bestochen durch die Eleganz und Kunstfertigkeit in den Werken des Kallimachus und Philetas und voll Bewunderung für ihre ihn anheimelnde Gelehrsamkeit, liess er sich hinreissen, unter den Elegikern so hohe Plätze ihnen einzuräumen.—
Auf die Worte des Statius ist schon deshalb nicht allzu grosses Gewicht zu legen, weil von ihm bekannt ist, dass in seinen Gedichten„Unwahrheit herrscht, weil er nicht blos wirkliche Gedanken und Gefuhle ausspricht, sondern auch erheuchelte, gemachte und bestellte.“(vgl. Teuffel, Gesch. d. röm. Liter. 2. Aufl. p. 696.).—
Proklus, der einer viel späteren Zeit angehörte, liess vermuthlich einerseits durch die gunstigen Urtheile, die er in den älteren Schriftwerken vorfand, sich bestimmen, andrerseits war er auch wohl befangen in dem Geist seiner Zeit, die an gelehrter- und Kunstdichtung Geschmack fand, während es an einer natürlichen und ungeschminkten Poesie mangelte.—
So glauben wir denn trotz aller jener Zeugnisse der Alten nicht gezwungen zu sein, von der Ansicht abzugehen, die wir über die Elegien des Kallimachus ausgesprochen haben, und dem uns anzuschliessen, was Hertzberg in seinen Quaestiones Propertianae(lib. II. cap. VII.: de imitatione poetarum Alexandrinorum) mit allem möglichen gelehrten Material dem Leser klar zu machen sucht, dass der Geist der Kallimachischen Elegien ein ganz anderer gewesen sei als der in seinen Hymnen und Epigrammen.— Hören wir ihn selbst!— In den Hymnen, sagt er(Tom. I. p. 192.), die für die Oeffentlichkeit bestimmt und officiell abgefasst gewesen seien, habe Kallimachus, gezwungen den Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen, den Geist seines Jahrhunderts wiedergegeben, das an äusserem,
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