Aufsatz 
Properz in seinem Verhältniss zu dem Alexandriner Kallimachus / Sperling
Entstehung
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werken der Architectur, an den verschiedenartigsten Kunstherrlichkeiten und an literarischen Schätzen. Aber alles das bot keinen Ersatz für den Verlust des natiönalen Lebens, der Lebensquelle griechischer Literatur, und es fehlte somit, was den vielleicht schlummernden Funken der Poesie bei einem Griechen hätte anfachen, nähren und zur vollen Flamme bringen können.

Wir hatten bisher gesehen, dass sowohl die Hymnen des Kallimachus als auch seine Epigramme von keinem allzugrossen Dichtergenius zeugen. Treten wir nun heran an die Frage nach seinen elegischen Dichtungen, so drängt sich uns schon von vornherein der Verdacht auf, dass es mit diesen wohl nicht viel anders gewesen sein mag. Zur Beurtheilung nach dieser Seite hin sind wir freilich, da W9eniges ganz erhalten ist, und sonst nur einzelne in den Fragmenten verstreute Trümmer von Distichen zu Gebote stehen, noch weit mehr auf hypothetische Combination angewiesen; aber wir glauben doch auch in dem, was vorhanden ist, schon genug Stoff zu haben, um zu einem nicht ungerechtfertigten Urtheil kommen zu können.

Da ist zunächst das ziemlich umfangreiche carmenels 1ourod ſhe INIa⁵lοs. In ihm vermisst man jede Wärme, jede Natürlichkeit der Elegie und gewinnt mehr den Eindruck einer zwar kunstgemäss und geschickt, aber doch nicht einmal durchweg mit der an Kallimachus sonst gewohnten Eleganz durchgeführten Erzählung eines Mythus. Es riecht das Ganze man verzeihe den Ausdruck wieder allzustark nach dem in die mannigfachsten Studien vertieft gewesenen Grammatiker.(Vgl. die den Beruf des Kallimachus charakterisirenden Worte bei Strabo XVII. p. 838: ππꝙmα5 xꝙ öMux alu mπeο

podᷣuμαει⁷ ⁵απσοωνανιαααιανς). Nicht viel anders steht es um jene uns durch Catulls Verdolmetschung überkommenehof- und zunftmässige,mehr als gewöhnlich verschnörkelte, harte und schwerfällige Dichtung für Berenike(fragm. 462). Genug, aus Allem, was wir von Kallimachus haben, spricht,

der kunstverständige, kunstbeherrschende und verfeinerte, aber des poetischen ingeniums entbehrende, zahme und nüchterne Versbauer, wie ihn Ovid(Amor. I. 15. 13.) schildert: Battiades toto semper cantabitur orbe; Quamquam ingenio non valet, arte valet.

Gegen diese unsere Ansicht spricht freilich manches Wort der Alten, die fast ausnahmslos unserm Alexandriner einen hohen Platz einräumen. Ja, Ovid selbst, den wir eben zur Bestätigung unseres Urtheils herangezogen haben, spricht an andern Stellen von ihm in der anerkennendsten Weise. So empfiehlt er die Kallimachische Muse in seiner ars amatoria(III. 329.):

Sit tibi Callimachi, sit Coi nota poëtae, Sit quoque vinosi Tela Musa senis. Und in den remedia amoris sagt er über ihn: Callimachum fugito; non est inimicus Amori. Et cum Callimacho tu quoque, Coë, noces. Endlich in den Tristia(II. 367.) ruft er dem Alexandriner zu: Nec tibi, Battiade, nocuit, quod saepe legenti Delicias versu fassus es ipse tuas.

Quintilian, auf dessen Urtheil in der Gelehrtenwelt so bedeutendes Gewicht gelegt zu werden pflegt, nennt(Inst. or. X. 1. 58.) den Kallimachus princeps elegiae, während er dem Philetas die nächste Stufe nach jenem zuerkennt: Tunc et elegiam vacabit in manus sumere, cujus princeps habetur Callimachus; secundas confessione plurimorum Philetas occupavit.