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Gefühls nicht erwehren, dass an Ueberfluss von Dichtergenie Kallimachus nicht gerade gelitten haben muss, ja, dass ihm eigentlich jede Spur von dem den Dichter documentirenden Spiritus von der Mutter Natur versagt gewesen ist, obgleich einstimmig zugestanden wird, dass des Kallimachus Ge- dichte insgesammt, was Reinheit und Schönheit der Sprache sowie glänzende Form des Versbaues betrifft, als mustergültig hingestellt werden dürfen. Vor einem Erfasst- und Hingerissenwerden des Gemüths ist der Leser aber sicher.— Wenn man von den schönen Versen abstrahirt, bleiben die ganzen Hymnen nichts als eine ziemlich trockene gelehrte Abhandlung über diejenige Gottheit, zu deren Verherrlichung das carmen abgefasst ist. Sehen wir uns beispielshalber gleich den ersten,„eis r5 Aia“ betitelten, Hymnus etwas an: da wird zu Anfang die Frage aufgeworfen und mit be- wundernswerther Critik behandelt, ob Zeus als Diktäischer oder als Lycäer zu besingen, ob er in Idäischen Bergen oder in Arkadien geboren sei. Nachdem die Kreter als allzeitige Lügner abgewiesen sind, und der arkadischen Stadt Parrhasia die Ehre zugesprochen ist, Geburtsort des obersten der Götter zu sein, folgt eine höchst trockene Erzählung, wie Rhea dem Zeus das Leben gegeben habe. Dann wird erwähnt, wie das Wasser gefehlt habe, um den Leib des Neugeborenen zu waschen, und dabei nimmt Kallimachus schleunigst Gelegenheit, alle Flüsse der Reihe nach aufzuzählen, die in späterer Zeit Arkadien durchströmt hätten, den Ladon, Erymanthus, Jaon, Melas, Karnion u. s. w. u. s. W. In diesem nüchternen Ton geht es nun durch das ganze Gedicht fort. Und nicht anders ist es in den übrigen Hymnen. Man bleibt vollständig unberührt beim Lesen und freut sich höchstens daran, mit welcher Geschicklichkeit der Mann die aus allen Winkeln seiner beneidenswerthen mytho- logischen und sonstigen Gelehrsamkeit zusammengesuchten Schätze auszukramen und mit dem Inhalt seines Liedes zu verknüpfen versteht. Jede Spur von dichterischem Schwung, von Begeisterung und Erhebung des Gemüths fehlt.— Nehmen wir weiter, um ein Urtheil über Kallimachus als Dichter zu gewinnen, einen andern Hymnus, den„eis A5ort. Kann es étwas mit der Gewalt und Hoheit von Hymnen Unverträglicheres geben, als gleich die Einleitung dieses Gesanges? Da heisst es Vers 7— 10:
e MoGα τον—‿ι˙ενeν, IHIiunletœemꝝ deioei,
290 vG*, 1 oıgos, örisᷣ Ai1 16⁴σ εα.
Ai vöy oiuss drο⁸dσσοσναι, ‿ᷣ d eννι⁷
Koννοςσ důmm u iν dʒέωνπια ινιννν—α.
Also, weil Phöbus denjenigen Sänger hasst, der Delos vergessen könnte, macht der Dichter, schleunigst sich daran, Delos durch ein Lied zu feiern, damit der Kynthische Apollo ihn lieb gewinne, da er liebend seiner Amme gedenke! Eine Zusammenstellung von Prämissen und Schlüssen, die einem Philosophen, einem Logiker alle Ehre machen würde, in dem Liede eines zum Besingen und Verherrlichen einer Gottheit begeisterten Poeten aber sich etwas seltsam ausnimmt!— Solcher Mangel an echtem Dichtergefühl tritt recht häufig in den Hymnen des Kallimachus zu Tage, und die gesucht- künstlerische Eleganz der durch ihren Rhythmus dem Ohre schmeichelnden Verse und die Voll- kommenheit der Sprache sind nach unserem Dafürhalten nicht im Stande jenen durch Ungunst der Musen ihm anhaftenden Mangel zu compensiren, obgleich sie ihm vielfach, auch bei den Alten, Anerkennung und Lob eingetragen haben, z. B. in jenem Epigramm des Krinagoras von Mitylene:
KXAA1iε⁴eο τ rοοευνιεον ⁶ειοο τédε„d αντ Grizo Mouαεων ππαᷣντασας ⁶ασιασε εdᷣνισασ
(Brunck, Analekt., II. p. 144. n. 15.— Anthologia Palat. IX. 545.)—


