Aufsatz 
Properz in seinem Verhältniss zu dem Alexandriner Kallimachus / Sperling
Entstehung
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(cf. Hertzberg, quaest. Propert. p. 194 u. flg.). Wenn nun Properz einem Freunde die Airi des Kallimachus als nachahmungswürdig empfiehlt in den oben citirten Versen, so ist es doch auch wohl mehr als wahrscheinlich, dass sie ihm selbst vorgeschwebt und zum Muster gedient haben in den- jenigen Gedichten, in denen er die Ursprünge heimischer Geschichten und Sagen schildern wollte.

Obgleich also nach unserer Ueberzeugung nicht zu bestreiten ist, dass Properz im Allgemeinen nach dem Beispiele des Kallimachus verfahren ist bei der Abfassung seiner Gedichte, sowohl in den Elegien im engeren Sinne d. h. den Liedern erotischen Inhalts, als auch in denen, in welchen er ‚Sacra diesque et cognomina prisca locorum pesingt, so darf darum doch durchaus nicht etwa an- genommen werden, als habe er ängstlich sich nun auch an den Alexandriner angelehnt bei Auf- bringung und dichterischer Ausführung und Ausschmückung seiner Stoffe, so dass er vielleicht in die Kategorie jener Leute zu rechnen wäre, die dem Horaz den Stossseufzer abdrückten:

O imitatores, servum pecus, ut mihi saepe bilem, saepe jocum vestri movere tumultus!(Epist. I. 19. 19.)

Doch ist Properz von ähnlichen Vorwürfen nicht immer verschont geblieben. Ja, es haben sich sogar recht gewichtige Stimmen von Männern, deren Namen in der Gelehrtenwelt einen guten Klang haben, gegen ihn erhoben. Der um Würdigung und Auslegung römischer Dichter, insbesondere des Vergil, hochverdiente Heyne hat z. B., während er die Alexandrinischen Dichter, und vor Allem den Kallimachus, um ihrer reinen und geschmackvollen Sprache willen mit den höchsten Lobpreisungen erhob, in Uebereinstimmung mit Valckenaer, welcher sogar soweit ging, dass er des Kallimachus Gedichte fast mit den Werken des Sophokles zu vergleichen wagte, den Properz tief herabgesetzt und behauptet, er habe die Stoffe aller seiner Gedichte einfach dem Kallimachus entnommen. Heyne und Valckenaer waren zu diesem Urtheil gekommen, nachdem sie in den Elegien des Properz ver- schiedene Stellen aufgefunden hatten, bei denen eine gewisse Aehnlichkeit mit Stellen in Gedichten des Alexandriners allerdings hervortritt. Das bewog sie, dem eigenen Geständniss des Properz über seine Nachahmung eine grössere Bedeutung beizulegen, als es in Wahrheit verdient. Zu ähn- lichen Ansichten sind andere gekommen, in deren Augen freilich Kallimachus als Dichter nicht so hoch steht, und die auch an den Gedichten des Properz nicht allzusehr Geschmack gefunden haben. Wir brauchen da nur an J. H. Voss zu erinnern.

Es konnte aber wahrlich unserem Dichter kein grösseres Unrecht geschehen, als jene Männer ihm angethan haben, die ihm jedes wohlverdiente Dichterlob absprachen und ihn nur als quasi Nach- äffer der Griechen hingestellt haben. Es dürfte das Jedem hinlänglich klar werden, der der elegischen Poesie der Alexandriner und hauptsächlich der des Kallimachus etwas näher tritt. Vielleicht macht man uns hier den Einwurf, es sei nicht recht möglich und mehr als gewagt, über die gesammte elegische Poesie des Kallimachus ein Urtheil fällen zu wollen, da doch von den Elegien dieses Dichters nur eine einzige, welche obenein in den codices bei den Hymnen sich findet und von vielen Gelehrten auch zu diesen gerechnet wird, nämlich dieels lourod ie HTa⁵αοοσςσε über- schriebene, unverstümmelt in unsere Hände gekommen ist, während von allen übrigen nur dürftige Fragmente bei anderen Schriftstellern erhalten sind. Diesen Einwurf müssten wir aber zurück- weisen. Denn um ein Urtheil über des Kallimachus elegisches Dichtertalent zu gewinnen, dazu, glauben wir, kann uns auch Alles helfen, was sonst von ihm vorhanden ist, also sowohl die unter seinem Namen verbreiteten Hymnen als auch die beträchtliche Anzahl seiner Epigramme. Fassen wir zunächst seine Hymnen ins Auge. Wenn man diese liest, kann man sich unwillkürlich des