Aufsatz 
Untersuchungen über das Geschichtswerk des Polybius / ... Spangenberg
Entstehung
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Ursache auf das Schicksal erzürnt zu sein, wenn man damit vergleiche, wie es sich gegen die Phocäer und Acarnanen gestaltet, denen es in ihrer Verzweiflung Rettung und Sieg verliehen habe. Doch ist Polybius noch immer weit entfernt davon, die gött- liche Gerechtigkeit für nichtig zu halten, wie sich dies z. B. von Tacitus nachweisen lässt.

Dieses allgemeine den Kreislauf der Dinge bestimmende oberste Naturgesetz lässt nun aber zweien gleichsam ihm untergeordneten Factoren in der Gestaltung der Ereig- nisse freien Spielraum. Diese beiden sind der freie, selbstthätige, menschliche Geist und der zwischen seine Berechnung tretende oder ihn auch wohl fördernde Zufall. Diesen Gegensatz hat Polybius besonders tief empfunden, und es hält ihm namentlich schwer, die Grenz- und Marksteine zwischen der Berechtigung und Thätigkeit beider Factoren festzustellen. So viel er sich auch bestrebt, der freien Thätigkeit des menschlichen Geistes zu vindiciren, es drängt sich die Tyche mit grosser Macht auf und bean- sprucht ihren Antheil an der Gestaltung der Ereignisse. Was noch irgend psycho- logisch gerechtfertigt werden kann, wofär sich in der freien Thätigkeit des handelnden Individuums noch irgend ein Grund finden lässt, das fasst er als Werk des denkenden Geistes, alles hierüber Hinausgehende hingegen muss er einer höhern Macht, die er ̈νmη nennt, zuweisen. Zuweilen dänkt ihm der An- theil jedes dieser Factoren so gross, dass er bei derselben historischen Gestaltung an der einen Stelle die Tüchtigkeit des menschlichen Geistes, an der andern die Tyche wirken lässt. So vor Allem in der Cardinalfrage seines Werks, der Grösse Roms. Bekanntlich nennt er sie an mehreren Stellen das herrlichste Werk der Tyche, während er an andern sie als Resultat der specifisch römischen Tugenden und der Gesundheit und inneren Kraft seiner Verfassung hinzustellen sucht(I. 4, V. 2, VIII. 4, I. 63. III. 2). Dieser Widerspruch ist nun so zu lösen, dass Polybius die gleichsam wetteifernde Zusammenwirkung beider Factoren damit bezeichnen will, wie auch Florus in seinem prooemium sagt: Nam(populus Romanus) tot laboribus periculisque jactatus est, ut ad constituendum ejus imperium contendisse Virtus et Fortuna viderentur.

Das Gebiet der Tyche und des Logos aber genau abzugrenzen, ist nun für Polybius ebenso schwierig, als wichtig, weil davon Zurechnungsfähigkeit einer Person, Schuld und Verdienst derselben abhängen. So will er z. B. wohl unterschieden wissen, ob ein Mensch TAρααηόωσωπ d. h. wider seine Berechnung und seine Erwartung, oder Aεεειι d. h. durch eigene Unüberlegtheit in Unglück geräth, um in einem Falle die Schuld der Tyche, im andern ihm selbst beizumessen. Vergl. II. 7. Wenn er nun auch an vielen Stellen seine Meinung ganz entschieden ausspricht, wie I. 37, wo er den Untergang der grossen