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doch wenigstens der Freiheit und Unbefangenheit des Urtheils im Wege gestanden hätten. Seine Zeit aber sei, nachdem Alexanders Zug Asien geöffnet habe, einer genaueren Kenntniss fähig, und er selbst für seine Person habe sich das Ziel gesetzt, an passenden Stellen durch Erörterung solcher Verhältnisse dahin zu wirken. Desshalb habe er so viele Mühen und Gefahren auf seinen Reisen bestanden, damit er die Irrthümer der früheren in dieser Beziehung berichtige und die Griechen mit jenen Theilen der Erde bekannt mache.— Auch da, wo andere Schriftsteller dem Polybius eine falsche Ansicht zu haben scheinen, ohne, dass er sie desswegen der Unwahrheit zeiben will, tritt er offen und entschieden als Gegner auf. So verwirft er(VI. 45 sq.) die Ansicht, welche Ephorus, Callisthenes, Xenophon und Plato in Betreff der kretischen Verfassung aufgestellt, indem sie dieselbe mit der spartanischen verglichen und mit zu grossem Lobe überhäuften. Er geht dabei ins Einzelne ein, weist nach, dass beide Verfassungen sehr verschieden waren, und zieht aus dem vorgenommenen Vergleiche den Schluss, dass die kretische durchaus kein Lob verdiene.— Ebenso spricht er sich gegen die Art und Weise aus, wie andere Geschichtschreiber die revolutionären Vorgänge in Alexan- dria dargestellt haben(XV. 33). Er verwirft es, dass sie theils Alles der Tyche und ihrem Schwanken zuschrieben, erkennt darin nur eine ganz natürliche Entwicklung der Verhältnisse und erklärt darum auch die dort handelnden Männer keiner besonderen Beachtung würdig, wie etwa die Siculer Agathocles und Dionysius.—
An anderen Stellen, wo es ihm darauf ankommt, die falsche Auffassung einer That- sache zu berichtigen, appellirt er an das Urtheil der Einsichtsvolleren(ν ⁶τν Nori- oε ναυκν»y gegenüber der Masse. Vergl. z. B. II. 64, wo er die richtige Schlussfolge in dem Plane des Cleomenes, welcher der Wirklichkeit entsprechen musste, darlegt, während ihn die urtheilslose Masse als tollkühn und verwegen bezeichnete.
So sehen wir, wie sich Polybius von den von ihm bezüglich des Werthes der Wahr- heit ausgesprochenen Grundsätzen auch bei der Kritik seiner Vorgänger hat leiten lassen. Die hier und da hervortretende Härte, Eitelkeit und Anmassung haben sein Gefühl für die Wahrheit nicht beeinträchtigt. Polybius war zu sehr von dem Ideal, welches er sich in Bezug auf die Auffassung und Darstellung der Geschichte gebildet hatte, ein. genommen, als dass er leicht etwas Anderes hätte vor sich Gerechtigkeit finden lassen, und zu diesem Ideal gehörte vor Allem die Wahrheit, wesshalb er scharf auftritt, so oft er sie absichtlich verletzt oder durch die Schranken einer zu engen Geschichtsauf- ſassung beeinträchtigt sieht. Bei dem Allen wollen wir aber nicht verkennen, dass Polybius selbst hier und da vom richtigen Wege abgewichen ist und in menschlicher


