Aufsatz 
Untersuchungen über das Geschichtswerk des Polybius / ... Spangenberg
Entstehung
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bei wichtigen Fragen dieser Art Polybius die abweichende Meinung seiner Vorgänger genau prüft und widerlegt, fertigt er andere wirklich alberne Erzählungen der Art, wie sie Chäreas und Sosilus lieferten, dass z. B. die Römer erst auf die Kunde vom Falle Sagunts berathen hätten, ob sie Krieg führen sollten oder nicht, und dass sie in ihrer Bestürzung die zwölfjährigen Söhne mit in den Senat genommen und zu Theil- nehmern an der Berathung gemacht hätten, kurz und in ironischer Weise ab(III. 20) und verweist sie in den Bereich von Barbierstubengeschwätzen etc.

Den Werth der Wahrheit sucht Polybius ferner bei der allerdings animosen und das richtige Maass überschreitenden Kritik des Timäus(XII. 12 sq.) darzulegen. Er geht in der Widerlegung der vielen unpassenden und unhaltbaren Stellen dieses Histo- rikers so weit, dass er ihn als offenbaren und absichtlichen Lügner blosstellt, ihm die Eigenschaften, welche einen Geschichtschreiber ausmachen, abspricht und ihn schliess- lich mit einer Masse hierauf hinzielender Epitheten überhäuft. Namentlich erkennt er die Schmähungen desselben gegen Demochares etc. als eines flistorikers unwürdig und zeigt, wie dieser vor Allem das decorum wahren müsse und durch persönliche Leidenschaft und Iass seinen Blick nicht trüben därfe. Und so nimmt er denn im Interesse der Wahrheit alle diejenigen, auf deren Rechnung Timäus gelogen, wie Aristoteles, Theo- phrast, Callisthenes, Ephorus und Democharus gegen die Vorwürfe, die ihnen Timäus gemacht, in Schutz, wie er auch absichtliche Entstellung der Wahrheit durch Timäus darin erkennt, dass er Thatsachen, welche zum Lobe eines Mannes dienten, verschweige, wobei er freilich nicht völlig in Uebereinstimmung mit dem(VI. 11) ausgesprochenen Grundsatz als Eigenthümlichkeit(731») der Geschichte bezeichnet, dass nicht nur Unwahr- heit in dem Erzählen von nicht Geschehenem, sondern auch im Verschweigen von wirlk- lich Geschehenem läge. Allerdings blickt in dieser ganzen Kritik etwas schriftstellerischer Selbstdünkel zu stark hervor, namentlich am Ende, wo er sich auf eine etwas gekün stelte Weise den Weg bahnt, sich dem Timaeus gegenüber als pragmatischen Geschicht- schreiber geltend zu machen, Hier behauptet er nemlich, ebenso wie Timäus den Timoleon, der doch nur in einem kleineren Kreise gewirkt habe, in eine Klasse mit den grössten Helden gestellt, wolle er eine Vergleichung seiner selbst mit deujenigen Histo- rikern beanspruchen, welche eine Universalgeschichte geschrieben hatten, während er doch nur von Italien und Sicilien gehandelt hätte. Ebenso sucht er freilich indirect die universalhistorische Wichtigkeit seines Werkes hervorzuheben, indem er bei Gelegenheit der Kritile, die er an den Logographen, die über Hieronymus geschrieben, übt, die Unzu- länglichkeit von Specialgeschichten rügt und behauptet, dass, wie es auch bei jenen