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kritisirt, dürfen wir doch nicht verkennen, dass seine Wahrheitsliebe und das Interesse, was er an der Fesstellung der Wahrheit genommen, die hauptsächliche Triebfeder gewesen ist, wenn auch Eigendünkel dabei mit durchblickt. Eine nähere Untersuchung der hier- her gehörigen Stellen wird dies ergeben. Sie alle zeugen, dass es hauptsächlich fünf Punkte sind, gegen die sich Polybius in seiner Kritik wendet: 1) absichtliche Ent- stellung der Wahrheit, 2) Unwahrheit aus Unwissenheit und Kritiklosigkeit, 3) irrige Auffassung, 4) Uebertreibung, 5) Anmassung.
Die meisten dieser Fehler rügt Polybius vor allen Dingen an Phylarchus(II. 57 sq). Er zeigt, wie dieser darauf ausgehe, die Leser zu rühren und ihnen das Schreckhafte vor Augen zu stellen, kommt dabei auf den Beruf des Geschichtschreibers, welchem im Gegensatz zu dem des Tragödiendichters vor Allem Wahrheit und Belehrung seiner Leser durch Gründe am IIerzen liegen müsse, was Phylarchus ausser Acht gelassen habe. Ferner(58) hält er ihm geradezu Lügen in Betreff seiner Berichte über Mantinea vor, wobei freilich etwas Parteilichkeit für die Achäer durchblickt, deren Verfahrungs- weise gegen Mantinea er in jeder Weise zu rechtfertigen sucht; sodann(59) tadelt er das Lügenhafte und Ungereimte, was Phylarchus von der Strafe des Argivers Aristo- machus perichte; weiterhin(61) macht er es ihm zum YVorwurſe, dass er einerseits schlechte Handlungen übertreibe, andererseits edle verschweige, sodann rügt er(62) die Uebertreibung und den Unverstand, den er in seinen Angaben bezüglich der aus Mega- lopolis den Lacedämoniern zugeflossenen Beute verrathe. Und endlich zeiht er ihn (63) in der Schlassbetrachtung der grössten aννσνιν und Aazris, der man in seinem ganzen Werke begegue. Diese ganze Kritik ist allerdings persönlich und scharf; allein Poly- bius hat sich nicht damit begnügt, blos sein Urtheil abzugeben, sondern führt eine ganze Reihe von Beweisen zur Erhärtung desselben vor, um den Phylarchus als unzuverlässige Quelle darzustellen, und die Bemerkungen, welche er über die Nothwendigkeit der Wahr- heit und die Aufgabe des Historikers eingeflochten hat, erlanben uns den Schluss, dass bei aller Leidenschaftlichkeit doch das Gefühl für die Wahrheit den Polybius zu so scharfen Aeusserungen getrieben hat.—
Noch mehr drängt sich einem die Ansicht auf, dass es dem Polybius nauptskehlich um Feststellung der Wahrheit zu thun gewesen, wenn wir die Kritil prüfen, die er an Fabius und Philinus übt. Es handelt sich dabei im Grunde um die Ursachen des zweiten punischen Krieges; Polybius sucht hier(III. 8) den von Fabius aufgestellten Satz, dass die Habsucht und Herrschbegierde Hasdrubals, in dessen Fusstapfen Ilannibal gauz und gar getreten sei, als Ursache des zweiten punischen Krieges zu betrachten sei, zu wider-


