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nahmen die Vorschriften einer objectiven unpartheiischen Geschichtschreibung beobach- tet habe.
Gehen wir an eine vorurtheilsfreie Betrachtung des ganzen Werkes selbst und halten uns vor Allem die Frage vor, ob es dem Polybius darum zu thun gewesen sei, Wahrheit zu berichten.
Gewiss ist es nicht zu leugnen, dass in der persönlichen Stellung und überhaupt in den Lebensverhältnissen des Polybius manche Aufforderung lag, der geschichtlichen Darstellung hier und da eine gewisse Partheifärbung zu geben, dass sein Patrio- tismus ihn die Verhältnisse des achäischen Bundes und Arcadiens mit den glänzendsten Farben schildern liess, dass die ihm klar gewordene Idee der Römerherrschaft und die Bewunderung der römischen Verfassung manchmal seinen Griffel geführt, dass die Persöulichkeit eines Scipio glänzender und lebendiger vor ihn trat, als andere, dass sein Widerwille gegen die Demagogie ihn hier und da zu etwas harten Aeusserungen getrie- ben etc. Aber es fragt sich dabei, ob Polybius hierin so weit gegangen ist, dass man ihn absichtlicher Entstellung der Wahrheit zeihen kann, oder ob es nur hier und da der willenlose Abdruck seiner Persönlichkeit ist, in dem wir die Gesetze der Objectivität einigermassen verletzt sehen. Jedenfalls hat Polybius selbst die Wahrheit als erstes Gesetz der Geschichte und namentlich hei dem Endzwecke, welchen er verfolgt, aner- kannt; oder wir müssten die vielen Stellen, an welchen er die Wahrheit oft mit den begeistertsten Worten preisst, für hohles Gerede halten und dann das Gefühl der Achtung vor diesem Geschichtschreiber sehr herabstimmen.— So spricht er seine Grundsätze darüber gleich beim Beginn seiner Darstellung(I. 14) aus, wo er die Geschichte für eine unnütze Erzählung erklärt, wenn man ihr die Wahrheit nehme, unnütz, wie das Thier, welches der Augen beraubt sei. Der Geschichtschreiber dürfe keine Rücksicht nehmen auf Freund und Feind und müsse oft diesen mit dem grössten Lobe überhäufen und jenen auf das Schärfste tadeln, wenn es die Thatsachen verlangten, und über diese selbst ohne Ansehen der Person urtheilen.— In ähnlicher Weise spricht er sich(XlI.
7 sq.) aus. Hier sagt er, die Wahrheit sei die Leuchte der Geschichte, die geschicht- liche Darstellung könne wohl an andern Fehlern leiden und darum doch Geschichte Senannt werden, wenn sie nur an der Wahrheit festhalte, sie höre aber auf Geschichte zu sein, sobald sie sich der Wahrheit entkleide, gleich einem lebenden Körper, welcher durchaus nutzlos werde, wenn man ihm das Licht entziehe. Hierauf bezeichnet er eine doppelte Art der Umwahrheit, solche, welche aus Unwissenheit und solche, welche aus
KAbsicht entstehe, und sucht den Werth der Wahrheit durch eine scharfe Kritik des


