— 38—
er im Zweifel ist, ob er über die Ecbatanische Königsburg weitläufiger sprechen soll, oder nicht, und behauptet, dass diejenigen, welche gern wunderbare Dinge erzählten und dieselben zu übertreiben gewohnt wären, in der erwähnten Stadt einen ihnen sehr zusagenden Stoff fänden; die aber, welche in der Schilderung alles dessen, was über die gewöhnliche Anschauung hinausgehe, vorsichtig seien, in solchem Stoffe Bedenk- lichkeit und Schwierigkeit fänden.— Ebenso spricht sich Polybius in Betreff seiner eignen Weitläufigkeit das Urtheil, wenn er(XXIX. 6 a) andern Historiographen vorwirft, dass sie durch die Menge ihrer Bücher glänzen wollten und darum Unwich- tiges unnöthig breit träten, und scheint seinen Fehler um so weniger einzusehen, wenn er sich gegen den Vorwurf der Flüchtigkeit verwahrt, indem er manches übergehe oder kürzer fasse, worüber Andere sehr weitläufig geworden wären, und an das Vertrauen seiner Leser appellirt, dass er Alles gehörig berücksichtige.—
An andern Stellen hält er allerdings seinen Lesern gegenüber eine Rechtfertigung der Wahl seines Stoffes, sowie allzu grosser Breite für nothwendig. Aber wenn er auch irgend einen Gesichtspunkt bezeichnet, von welchem er dieselbe betrachtet wissen will, wie den des Interessanten, des Nutzens, der Nothwendigkeit, um Späteres daraus zu erklären, so giebt er doch zugleich zu erkennen, dass er selbst das nicht ganz Passende seiner Weitschweifigkeit fühlt. So entschuldigt er(XXXVI. 5) seine Breite in Betreff des Scipio, womit XXXII. 16 zu vergleichen ist; XXXVIII. 1 d die lange Episode über die frühere griechische Geschichte; II. 71 die ausführliche Behand- lung, welche er dem achäischen Kriege gewidmet; X. 47 die lange Episode über die Auseinandersetzung seiner verbesserten Telegraphentheorie, die ihn zu tief eingehenden Bemerkungen über das Auffassungsvermögen des menschlichen Geistes führt etc. Ebenso entschuldigt er auch Wiederholungen, die er sich erlaubt, wie(XXVIII. 14) die noch- malige Erwähnung der Rhodischen Gesandtschaft an den Senat als durch die chro- nologische Anordnung des ganzen Werkes geboten..
Als Resultat dieser Betrachtung ist also festzuhalten, dass Polybius sich haupt- sächlich durch seine pragmatischen Zwecke bei der Auswahl des Stoffes hat leiten lassen, wie er denn XXIX. Ib das, was er berichtet, als das TPXIATꝓτναραον bezeichnet. Als ferneren Grundsatz können wir noch hinzufügen, dass er im Allgemeinen das, was schon in andern glaubwürdigen Schriften behandelt war, nur kurz berichtet, wie z. B. die Verhältnisse des Aratus, über die schon mit ausserordentlicher Treue und Klarheit ausgearbeitete Commentarien vorhanden waren(II. 40). Und wie wir schon oben gesehen haben, dass Polybius den Anfangspunkt seiner Geschichte mit Rücksicht auf-


