36—
wie er selbst einen bestimmten Weg verfolge, in Betrachtung der bedeutendsten Thaten auf der Erde eine feste Ordnung einhalte und keine Lücken entstehen lasse. An anderen Stellen will er die Zersplitterung! sogar auf Kosten seines chronologischen Princips verhüten, wie XXXIII. 12 a, wo er wieder die ganze Einrichtung seines Werks bespricht, insbesondere die Vertheilung des zuletzt behandelten Stoffes rechtfertigt und auf das Folgende hinweist. In Betreff dieses angekündigten Stoffes nemlich erklärt er es für nothwendig, der Zeit nach sowohl vor- als auch zurückzugreifen, und die ganze Begebenheit zusammenzufassen, damit die Darstellung derselben nicht unter Zersplitte- rung leide. Denn wenn eine Thatsache kaum im Ganzen wissenswürdig erschiene, dann würde sie zerrissen erzählt gewiss noch weniger Interesse finden.
Fragen wir nun danach, von welchen Grundsätzen Polybius sich bei der Auswahl des historischen Stoffes innerhalb der 53 Jahre, die sein Werk umfasst, hat leiten lassen, so ist vor allen festzuhalten, dass er das ausgewählt, was seinen pragmatischen Zwecken der Belehrung am besten dienlich war. Er spricht sich hierüber selbst(IX. 1. und 2) aus und erklärt die Wahl des Stoffes von dem Zweck seiner Darstellung abhängig. Da nemlich dieselbe für den vie ox³νεo berechnet sei, so mache er die Thaten der Nationen, der Staaten und derjenigen, welche an der Spitze derselben stünden, zum Inhalt seines Werks, während andere Historiker Genealogien, welche den ννν σρ̈νποοτ, oder alte Coloniegeschichten, Städtegründungen und Völkerverwandtschaften, Mythen u. s. w berichteten, welche den vi νακνννσmνν interessirten. Diese letzteren Stoffe seien aber schon so vielfach behandelt, dass man entweder fremdes für sein Eigen- thum ausgeben oder eine höchst vergebliche Mühe aufwenden müsse, wogegen derjenige, welcher die politischen Thaten erzähle, immer neuen Stoff habe, da stets Neues geschähe, was Aufzeichnung verdiene. Ausserdem sei sein Princip das nützlichste, sowohl in Bezug auf frühere Zeit, als besonders jetzt, wo Erfahrung und Künste(also Bildung) einen solchen Fortschritt gewonnen hätten, dass die, welche es sich angelegen sein liessen, ein jedes Ereigniss für ihre Pläne methodisch ausbeuten könnten. Hiernach könnte es freilich scheinen, wie Brandstäter p. 14 sagt, Polybius habe die Geschicht- schreibung nicht als eine Wissenschaft für sich anerkannt, sondern sie gewissermassen nur als eine Beispielsammlung betrachtet, aus der sich besonders für den Staatsmann viele gute Lehren ziehen liessen. Jedoch widerstreitet einer solchen Auffassung offen- bar die durch das ganze Werk sich hindurchziehende einheitliche Idee von der Hoheit Roms und der Nothwendigkeit seiner Herrschaft. Und gewiss hat auch diese Idee die Wahl des Stoffes bestimmt, wie z. B. die ausführliche Behandlung der römischen Ver-


