Aufsatz 
Untersuchungen über das Geschichtswerk des Polybius / ... Spangenberg
Entstehung
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konnte. Umgekehrt macnt er auu aie Gleichzeitigkeit der Thatsachen aufmerksam, um zu zeigen, wie sie aufeinander gewirkt, in Zusammenhang ständen und eigentlich erst zusammengenommen ein wohlgegliedertes historisches Bild abgäben. So giebt er(V. 105) die Schlacht der Römer in Etrurien, den Krieg des Antiochus in Cölesyrien, den Frieden der Achäer und des Philipp mit den Aetoliern als in Olymp. CXL. 3 zusammen- fallend an. Von dieser Zeit an, sagt er, sei Wechselwirkung zwischen den Ereignissen des Ostens und Westens eingetreten. Denn Philipp und die Häupter der griechischen Staaten hätten beim Beginn von Kriegen und Friedensschlüssen ihre Pläne nicht mehr vom Zustande Griechenlands abhängig gemacht, sondern alle ihre Blicke nach ltalien, wie nach einem gemeinsamen Ziele, gerichtet. Und bald wären diesem Beispiele auch die Inselbewohner und Asiaten gefolgt. Denn sowohl die von Philipp Bedrohten, als auch einige, welche mit Attalus im Kampf gewesen, hätten nun nicht mehr den Antiochus und Ptolemäus beobachtet und nicht mehr nach Süden und Osten, sondern nach und nach alle nach Westen geblickt und sich mit Gesandtschaften theils an die Carthager, theils an die Römer gewandt, sowie umgekehrt die Römer ihre Gesandten nach Griechen- land geschickt hätten.

Endlich legt Polybius auf die Gleichzeitigkeit der Ereignisse auch aus dem Grund so grosses Gewicht, weil dadurch erst die einzelnen Thatsachen an und für sich selbst in das richtige Licht träten und in ihrer Wichtigkeit und Grossartigkeit erkannt würden. Denn die Handlung eines Staats erschiene oft an und für sich betrachtet gar nicht be-

utend, erwäge man aber, was dieser Staat zu gleicher Zeit geleistet, dann ändere sich das Urtheil. So sagt Polybius z. B. VIII. 4: der Umstand, dass Rom um Spanien und Sicilien Land- und Seekriege geführt hätte, errege kein Staunen, aber wenn man die gleichzeitige Wirksamkeit dieses Staates auf anderem Boden und die Unfälle des- selben im eigenen Lande betrachte, dann gewinne man erst den richtigen Standpunkt, von welchem aus man jene Thaten zu betrachten habe und müsse sie für staunenswerth erklären.

Von dem oben ausgesprochenen Grundsatz der Erzählung der Thatsachen nach den Jahren weicht Polybius auch zuweilen ab, was er jedoch nicht zu rechtfertigen unter- lässt. S. XIV. 12, wo er begründet, dass er in der ägyptischen Geschichte eine längere Periode behandelt habe. Der König selbst nemlich, erklärt er, habe nach Be- endigung des cölesyrischen Krieges sich allen edleren Bestrebungen entfremdet und einem schwelgerischen Leben hingegeben, und der Krieg, in welchen er hierauf ver- wickelt worden sei, habe keine einzige wichtige Schlacht, und ausser gegenseitiger