Aufsatz 
Untersuchungen über das Geschichtswerk des Polybius / ... Spangenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

unmöglich, die Versöhnung mit der römischen Obermacht aber das wahre allein er- reichbare Heil für sie gewesen sei.

Das eigentliche Verhältniss der öxn wird noch Gegenstand einer besondern Be- trachtung werden. Polybius geht aber zuweilen in der Erforschung der Gründe noch weiter und fasst sie allgemeiner, d. h. er erkennt sie in einer allgemein gültigen Wahr- heit, welché sich in dem besondern Falle geltend gemaeht habe. So erklärt er die er- sten Erfolge, welche die Söldner des Tyrannen Machanides in der Schlacht bei Man- tinea erzielten(XI. 13) aus dem Satze, dass die Söldner der Tyrannen gemeiniglich tapferer föchten, als die der freien Staaten, da ihr Interesse mit dem des Tyrannen auf das engste verwachsen wäre, und ihre künftige Existenz von der Befestigung sei- ner Herrschaft abhinge, wogegen der freie Staat nach Beseitigung seiner Feinde ihrer nicht mehr bedürfe. Der Geschichtschreiber begnügt sich aber nicht damit, die nächst- liegenden am klarsten hervortretenden Ursachen der Begebenheiten darzustellen, son- dern oft geht er, um einen Sachverhalt aufzuklären, weit in die Vergangenheit zurück, wie III. 22, wo er die sämmtlichen früheren Verträge zwischen Rom und Karthago er- wähnt, um seine Ansicht den Angaben des Philinus gegenüber zu begründen.

Da, wo ein solches Zurückgreifen dem Leser auffallend erscheinen könnte, recht- fertigt er es als nothwendig zum Verständniss des Zusammenhangs. cf. III. 34.

Wie Polybius der Zeit nach entfernt liegende, selbst scheinbar unwichtige Um- stände in ihrer Bedeutsamkeit für die Folgezeit richtig würdigt, zeigt die Stelle(III. 11), wo er den Schwur des neunjährigen Hannibal als Beweis anführt, dass die Hauptur- sache des zweiten punischen Kriegs in der Persönlichkeit des Hamilcar Barcas gele- gen habe.

Ebenfalls aus dem Gesichtspuncte der Wichtigkeit, welche unser Geschichtschrei- ber der Erkenntniss der Ursachen beilegt, ist auch das Gewicht zu erklären, welches er auf die Erforschung der einzelnen Staatsverfassungen legt. Diese betrachtet er als wesentlichen Theil der Geschichte, da sie die Haupterkenntnissquelle aller geschichtli- chen Entwicklung seien. Die Beschaffenheit der Verfassung, sagt er VI. 1, ist die gewichtigste Ursache des Glücks und des Gegentheils davon; aus ihr fliessen, wie aus einer Quelle, nicht nur die Gedanken und Pläne zu Handlungen, sondern auch die Re- sultate. Namentlich aber gilt ihm dies von der römischen Verfassung, auf deren Dar- stellung er besonders genau eingeht. Grade diese soll den Hauptgedanken, welchen er in seinem Werke festhält, nämlich die Ausbreitung der Römerherrschaft über die

gesammte Erde, als naturgemässe Entwicklung, als r αανπαα Qυνσον stützen. Er will be- 2