Aufsatz 
Untersuchungen über das Geschichtswerk des Polybius / ... Spangenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

weisen, wie aus ihr heraus alle Lebenskraft des römischen Staates geflossen sei une wie an dieser innern Kraft alle Versuche gegen die Herrschaft des Staates gescheitert seien. Diese Wahrheit aber um so lebendiger hervortreten zu lassen, fügt er die Dar- stellung der Verfassung grade an den unglücklichen Ausgang der Schlacht bei Cannà an. Grade aus der Haltung der Römer in dieser verhängnissvollen Zeit soll das Ge wicht der Verfassung erkannt werden, weil sie sich damals am besten bethätigt habe Grade wie man über Menschen ein richtiges Urtheil nicht nach ihrem gewöhnliches Hinleben, sondern nach den Schlägen des Schicksals, die sie erfahren und den Erhe- bungen daraus fällen müsse, so sei es auch mit den Verfassungen, deren Prüfstein die Zeit des Unglücks sei.

Nicht geringeres Gewicht, als auf die Erkenntniss der Ursachen, legt Polybius aus die der Folgen und Wirkungen der Thatsachen. Diese namentlich legt er seinen Le- sern, den Staatsmännern und Feldherrn nahe, damit sie Analogien für die Berech- nung ihrer eigenen Pläne haben. Auch hier ist es ihm besonders darum zu thun, nachzuweisen, dass in der Regel da, wo ein Gedanke zaraà ν gefasst und durchge- führt worden, auch die Folgen sich demgemäss gestaltet haben, wogegen&νμια und AXi zum Nachtheil ausgeschlagen wären.

In diesem Sinne spricht er z. B. XXXIII. 15 a. von den Rhodiern, denen es er- gangen sei, wie den Kranken, welche, wenn sie eine Zeit lang vernünftig gehandelt und den Rath des Arztes befolgt, aber keine Wendung zum Bessern erfahren hätten, ihre Zuflucht zu Wahrsagern, Quacksalbern, Amuletten u. s. w. nähmen. Gleich diesen nämlich hätten sie nichts xærà Aον durchgeführt, und darum auch παα ꝓπν erfah- ren. An andern Steilen sagt er dem 6 ις nicht die AOν, sondern die&αeeiα und xaαννμα entgegen, wie XXXVIII. 4, wo er von Kritolaus sagt obdesl A⁶*ρ mπερ̈ν ο Aεσρμερασ σαναον νs, woraus hervorzugehen scheint, dass er auch das sittlich Schlechte als Moment der ονπέν betrachtet, und zeigen will, wie Verblendung, Verkennung der gött- lichen und menschlichen Gesetze und frevelhafte Thaten aus Mangel an richtigem Denken fliessen.

So hebt er überall die natürliche Folge der Handlungen hervor, die er dann ge- wöhnlich mit den Worten beginnt zνν τπτν εεαααωις Vergl. XXXVIII. 2.

Freilich verkennt er demgegenüber auch hier nicht die Macht der ο*ν, welche oft die am besten angelegten und folgerichtig fortgesetzten Pläne zu Nichte macht, wie bei Hannibal, von dem er sagt, dass er vor der Schlacht bei Zama Alles gethan habe, was ihm Einsicht und Feldherrntalent zur Pflicht gemacht hätten und nicht durch ei-