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Denken derselben ableitet.— Ja, oft ist ihm eine einzige Person die Ursache einer ganzen Reihe von Ereignissen. So bezeichnet er IX, 22 Hannibal als Ursache alles dessen, was zu jener Zeit den Römern und Carthagern zugestossen sei, und zeigt an dessen Beispiel, wieviel der Geist eines einzigen Mannes vermöge, und zwar in allen menschlichen Verhältnissen, wenn er consequent auf einen einmal ausgedachten Plan gerichtet wäre. Es ist dies einer seiner Lieblingsgedanken, dem wir häufig begegnen.
Da für Polybius nun die Kraft der handelnden Person fast Alles ist, so sucht er auch aus dem Character und Wesen derselben ihre Handlungsweise zu begründen. Vergl. z. B., was er V. 87 über Ptolemäus sagt. Aus diesem Grunde legt er auch ganz besonderes Gewicht auf die Characterschilderung der einzelnen Personen. Hierüber spricht er seine Grundsätze X, 24 aus, wo er das längere Verweilen bei der Character- schilderung Philopömens rechtfertigt. Er tadelt hier diejenigen Geschichtschreiber, welche auf die Darstellung von Städtegründungen etc. allzugrosse Sorgfalt verwende- ten, während sie die Pläne, Bestrebungen und Richtungen der am meisten in das Staatsleben eingreifenden Männer mit Stillschweigen übergingen, und zeigt, dass der Hauptwerth der Geschichte in der richtigen Beleuchtung dieser lebendigen Gestalten und Muster zur Nachahmung liege. Vergleiche auch X, 26.— Besondere Sorgfalt verwendet Polybius auf die Erforschung der Gründe da, wo ihm der Verlauf der Thatsachen auffallend, nicht naturgemäss erscheint. So behanptet er IX. 3, dass die Ereignisse zu der Zeit, als die Römer Capua belagerten, nicht nur den Carthagern, sondern allen denjenigen, welche davon hörten, wunderbar vorkommen mussten. Denn gewiss müsste man im Zweifel darüber sein, wie es komme, dass die Römer nach so vielen Niederlagen sich nicht für besiegt erklärt, ja dass sie, während sie früher ihren Marsch nur am Fusse der Berge her genommen hätten und dem Feinde in der Flanke gefolgt wären, nun in die Ebene herabgestiegen und dem von allen Seiten herannahenden Feinde gegenüber zur Belagerung einer so festen Stadt geschritten wären, endlich, dass die Carthager bisher in allen Schlachten siegreich nun in eine nicht minder schwierige Lage gekommep wären, als die Besiegten. So auffallend aber auch diese Gestaltung der Ereignisse dem Polybius dünken musste, er hält sie doch nicht für αρα⁴αοεπσο, sondern erklärt sie naturgemäss, indem er sich ganz in den Geist der Römer sowohl, als des Hannibal versetzt und fragt, was sich nach der damaligen Sachlage für eine Ueberzeugung bei beiden bilden musste.
Ueberhaupt, wo Polybius die Gründe fär den Verlauf der Thatsachen in dem Den- ken einer Person finden kann, da thut er es, und zwar mit aller Wärme und Macht


