I. Art und Weise der Darstellung.
Der Name, mit welchem Polybius an vielen Stellen sein Werk bezeichnet, nemlich xpeæreta, und die Bezeichnung seiner Darstellung als οπννκαρασιυπα ενονςα hHat wohl zu nächst diesem Geschichtschreiber den Titel des pragmatischen verschafft und zu einer fast gänzlichen Verwachsung des Begriffes Pragmatismus mit dem von der Darstellung des Polybius geführt.— Eine Untersuchung über die Art der Darstellung und den schriftstellerischen Character des Polybius wird desshalb von diesem Begriffe ausgehen müssen, Dass das Wort Pragmatismus eine sehr verschiedenartige Auffassung er- fahren hat, dass die einen das Wesen desselben in dem beständigen Eingehen des Schriftstellers auf Ursache und Wirkung der Begebenheiten, andere in der didactischen Tendenz desselben erkennen, andere den Begriſt viel weiter und unbestimmter gefasst haben, wird derjenige am besten begreifen, welcher den ganzen Polybius sorgfältig studirt hat. In der That scheint die häufige und verschiedenartige Anwendung des Wortes Seitens des Schriftstellers selbst eine verschiedenartige Erklärung desselben zu rechtfertigen; und Brandstäter*) hat jedenfalls den richtigen Weg zur Feststellung des Begriffes gezeigt, indem er untersucht, was Polybius selbst unter dem Worte ver- steht.— So richtig nun auch diese einzelnen Fassungen sind, so scheint doch das Re- sultat, welches derselbe daraus zieht, dass nemlich Polybius die Geschichte nicht ei- gentlich an und für sich in ihrem Werthe als Wissenschaft anerkannt, sondern sie als einen sehr geeigneten Text zu politischen, moralischen und andern Belehrungen angesehen habe, als dieses Geschichtsschreibers nicht ganz würdig.— Die Grundanschauung aber des Worts kann nicht blos auf den Erklärungen fussen, welche das Wort ρν μαρνικ zu- lässt, sondern sie muss sich als Resultat einer Betrachtung des ganzen Werks ergeben. Sie hängt mit den Vorstellungen, die Polybius von dem Entwickelungsgange der Welt- geschichte gehabt, mit seiner ganzen politischen, sittlichen und religiöseu Anschauung, sowie mit der Tendenz seines Werkes auf das engste zusammen.— Als Resultat die- ser ganzen Betrachtung scheint sich folgendes herauszustellen, was in den nächsten Capiteln dieser Abhandlung noch im Einzelnen seine Begründung finden wird. Die Grundtendenz des Polybius ist eine practische. Er hat beständig die du65hecue seiner Leser im Auge, womit er ebensowohl Belehrung, als sittliche Veredlung bezeichnen
*) Brandstäter über d. Geschichtswerk des Polybius. Danzig 1843. p. 21. 1*


