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Schriften zu erkennen, so hat gerade derjenige Schriftsteller, welcher die meiste Beach- tung nach dieser Seite hin verdient, eigentlich die wenigste gefunden.*)
Polybius bezeichnet, wenn wir auch nieht in das ungemessene Lob, welches ihm z. B. Cas aubonus in seiner Vorrede spendet, einstimmen wollen, doch unstreitig den bedeutendsten Fortschritt in der alten Historiographie. Er ist nicht blos Geschichtschrei- ber, der Thatsachen berichtet, ihren geographischen Boden abmisst, Zusammenhang derselben nach Ursachen und Wirkung erforscht, er ist nicht blos vortrefflicher Cha- zacterzeichner, tiefer Kenner der politischen und militärischen Verhältnisse, und darum unübertrefflich in der Kunst Verfassungsentwickelungen und Schlachten-Beschreibun- gen darzulegen. Er ist philosophischer Geschichtschreiber oder geschichtschreibender Philosoph.— Jch bezeichne hiermit aber nicht etwa die unendlich vielen practisch-philo- sophischen Lehren, die er gibt, die aus der so häufig ausgesprochenen Tendenz der Belehrung seiner Leser geflossen sind, sondern seine in der That überall tief gehende Anschauung der Weltgeschichte, die beständige Betrachtung der sie gestaltenden Facto- ren, und die Anerkennung einerseits einer höheren, unbegreiflichen die Geschichte lei- tenden Macht, und andrerseits der Kraft des sie mitbestimmenden menschlichen Geistes.
Von diesem Gesichtspuncte aus muss der ganze Geist dieses Geschichtschreibers betrachtet werden, in diesem Lichte müssen alle die einzelnen Fragen, zu denen uns sein leider nicht vollständig erhaltenes Werk anregt, beantwortet werden.
*) Ein Verzeichniss der über Polybius erschienenen Specialschriften, das in allen Literaturgeschich- ten zu finden ist, wollen wir hier nicht wiederholen. Als das beste, was über diesen Ilistoriker vor- hunden ist, wird unstreitig eine von Paul La Roche in München in den letzten Monaten erschienene Schrift„Charakteristik des Polybius von Paul La Roche, K. Studienlehrer in Münchean. Leipzig 1857.“ anerkannt werden müssen. Leider ist mir dieses vortreffliche Werkchen erst zu Gesicht gekommen, als dieser Theil meiner Arbeit dem Drucke übergeben werden musste, so dass es ohne allen Einfluss darauf geblieben ist. Indessen werde ich Gelegenheit finden, in dem zweiten Theile, der hauptsächlich von der politischen und ethischen Anschauungsweise des Polybius handeln soll, öfters darauf Rücksicht zu nehmen.


