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mäßigt.— Eigenthümlich iſt es, daß es Cpiktet vermeidet, über die eigentliche Weſenheit der Göt⸗ ter ſich auszulaſſen. Nach Ritters Anſicht ſchließt er ſich noch an die alte Frömmigkeit der alten Stoiker an, ohne doch ganz den Zug zu verleugnen, welcher ſeine Zeit der abergläubiſchen Vereh⸗ rung der alten Götter längſt entfremdet hatte. Für uns iſt es ſchwierig, eine deutliche Vorſtellung von dem Begriffe zu erlangen, den Epiktet von den Göttern gehabt hat. Alle die Stellen, welche über dieſelben ſprechen, enthalten meiſt nur die Pflichten, welche der Menſch gegen ſie zu erfüllen hat; über die eigentliche Weſenheit finden wir darin nichts. Die wenigen Winke, die Epiktet gibt, verrathen ein gewiſſes Schwanken, welches ſowohl im Manual als in den Diſfertationen ſichtbar iſt.— Epiktet ſcheint noch nicht ganz mit der alten Götterwelt brechen zu wollen, das Be⸗ wußtſein des Polytheismus hat in ihm noch einige Kraft, wie er denn an oben ſchon angeführten Stellen von dem Philoſophen als Mitgenoſſen unb Mitherrſcher der Götter ſpricht; allein andrer⸗ ſeits tritt doch in den Schriften der Gedanke des Monotheismus bei ihm viel zu ſtark hervor, als daß wir ihn für Cpiktet nicht vindiciren ſollten, ja einzelne Stellen ſind in dieſer Beziehung ſo bedeutſam, daß wir nach ihnen anzunehmen berechtigt wären, Epiktet habe ſchon die ganze Vor⸗ ſtellung des Polytheismus überwunden; ef. Man. XXII: 100 ꝙϑε αααμραοσταρ*σοι ρασαιισσσμιμιμόάρνςo⁶ιτις -ou, ds drd rod εο zeryννεενος eis rœνηννmντμνν νπα. Diss. I, 14, p. 83: dοσσ drœ eleio=ε τ⁴ς ϑισ τα αeντοει εeν⁶ον ττοιmπσmQν, 1εεενασε ευι⁶εέοre Aeνειν, drd ⁴rot 2orε, oOd„do ore d.1ν ·ε ς ν⁴ον εσmeQw h 6 μeμιμεεοςα d⁴αeαααν εαy. Stellen, wie dieſe beiden, namentlich die letztere, welche offenbar den Begriff der Allgegenwart der Gottheit in ſich ſchließt, zeigen, wie lebendig das Bewußtſein einer höchſten, des Menſchen Schickſal lei⸗ tenden und überall gegenwärtigen Gottheit, in Epiktet war, wenn er auch daneben den griechiſchen Olymp mit ſeiner Götterwelt beſtehen ließ, einer Götterwelt, der er nach vaterländiſcher, ſchicklicher Weiſe geopfert wiſſen will. Klar, wie geſagt, ſpricht ſich Epiktet über dieſes Verhältniß nicht aus; er vermeidet es; um ſo lieber dagegen verweilt er bei Crörterungen über die Stellung der Menſchen und ihr Verhalten zur Gottheit oder auch zu dieſer Vielheit von Göttern, was übrigens in dieſer Beziehung gleichgültig iſt. Es kann uns nicht darauf ankommen, ob Epiktet die ver⸗ ſchiedenen einzelnen Vorſchriften, die wir nun zu betrachten haben, in Beziehung auf eine einzige Gottheit oder auf eine Vielheit ertheilt. Alle die Pflichten, welche unſer Stoiker in dieſer Be⸗ ziehung ſeinem Schüler auferlegt, tragen einen tiefen ſittlichen Gehalt in ſich, ſie ſind faſt durch⸗ weg als ſpecifiſch chriſtliche zu bezeichnen. Und wenn ſomit die religiöſen Pflichten des Stoikers für ſein Leben eine Quelle der Veredlung ſind, wenn ſein Wille und ſeine Handlungen ſich danach als ſittliche erweiſen müſſen, ſo mag es uns gleichguͤltig ſein, ob er dieſe Pflichten gegen eine oder gegen mehrere Gottheiten erfüllt wiſſen will, d. h. ob er an einen oder an viele Götter geglaubt hat. Es iſt von hohem Intereſſe, zu unterſuchen, wie die Vorſchriften Epiktets in Betreff der Religion den reinen Geiſt des Chriſtenthums athmen; allein nicht das allein, ſondern wie ſie ſelbſt in der Form oft mit Worten der heiligen Schrift übereinſtimmen. Wir haben ſchon hier und da in unſerer Abhandlung auf die Verwandtſchaft der Cpiktetſchen Lehre mit dem Chriſtenthum hin⸗ gewieſen; allein alle dieſe Puncte ſprechen doch nicht in dem Grade für die innige Vertrautheit


