Aufsatz 
Die Lehre Epiktet's nach seinem Manual entwickelt / von Friedrich Spangenberg
Entstehung
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32 verträgliches iſt. Dadurch, bemerkt Epiktet, verfalle er leicht in Gemeinheit und verſtend ſich die Achtung ſeiner Umgebung. Indeſſen es ſoll dem Philoſophen an der Achtung, welche er genießt, nichts liegen, inſofern die d08.α ja ein Ding iſt, welches nicht in ſeiner Gewalt liegt. Allein es iſt klar, daß dieſer Satz nur dann ſeine Geltung hat, wenn die Verachtung, die er ſich zuzieht, aus dem ſtrengen Anhängen an ſeinem Princip erwächſt. Verletzt er dieſes, was z. B. durch das La⸗ chen geſchieht, und wird dann verachtet, ſo trifft ihn die Verachtung mit Recht, und ſie kann dann durch Nichts paralyſirt werden. Wiederholt verlangt er dann das Vermeiden von gemeinen und ſchmutzigen Reden. Iſt die Geſellſchaft, worin ſich der Philoſoph befindet, doch hinein verfallen, ſo erlegt ihm ſein Princip, welches ja auf Veredlung der Menſchheit dringt, die Pflicht auf, die Anweſenden zum Anſtand zu verweiſen nnd das Geſpräch auf die Sittlichkeit hinzulenken, falls ihm aber dieſes nicht gelingt, durch Schweigen, Erröthen, Zuſammenziehen der Augenbraunen ꝛc. die widerliche Wirkung der Geſellſchaft auf ſich zu bezeichnen. Alle dieſe einzelnen Vorſchriften, welche wir in den beiden letzten Capiteln behandelt haben, faßt Epiktet nochmals gedrängt in Cap. XLVIII, 2 zuſammen. Es wird uns hier das Bild des Epiktetſchen Weiſen nochmals in engem Rahmen in ſeinen Hauptzügen gezeigt, daher wir dann auf dieſes Capitel als das wichtigſte im ganzen Manual beſonders hinweiſen. Es ſchließt mit dem Gedanken, in welchem wir die Grund⸗ idee der Cpiktetſchen Philoſophie gefunden zu haben glauben, daß der Menſch ſich ſelbſt beſtändig als Feind zu überwachen habe.

Noch verdient hier einige Worte der Crörterung die Frage, wie der Epiktetſche Weiſe mit ſei⸗ ner Lehre in der ihn umgebenden Welt zu verfahren habe, ein Punct, worüber das Manual gleich⸗ falls manche zerſtreute Bemerkungen bietet. Der Grundgedanke in dieſer Beziehung läuft darauf hinaus, daß der Philoſoph möglichſt mit ſeiner Lehre zurückhalte, d. h. daß er mehr durch Hand⸗ lungen, in denen ſich dieſelbe verkörpern ſoll, als durch das Predigen ſtoiſtiſcher Grundſätze wirke. Namentlich ſoll nicht der junge Philoſoph, welcher kaum die Lehre begriffen hat, ſie ſogleich durch das Wort in die Oeffentlichkeit tragen; ſie muß erſt Fleiſch in ihm werden. Gleichwie die Schaafe dem Hirten nicht nützen durch das Auswerfen des Futters, welches ſie kaum gefreſſen haben, ſon⸗ dern dieſes erſt gleichſam in Wolle und Milch verwandeln, ſo ſoll Epiktets Schüler ſeine Lehre verdauen, er ſoll die Grundſätze nicht alſogleich wieder predigen, ſondern ſie in Handlungen ver⸗ wirklicht ber Welt zeigen. Ueber dieſes wohlangewandte Gleichniß vergleiche man Cap. XLVI: ε a⁴* 11 rOdaru 0d 10 vιον Seειαασνοαασ 10⁰⁸G 7T01Gι GσR 6rideceiet, 71000 ecαœeνέν 2112 TnO20νν Ʒέ a*nαe, 20¹1 ν% εεμ⁴ φέρεια vaic 2 σ τοννν νανmνυά ϑεεοννμιυσ 71078 161T. ερη³tæννε, bpn τν Tε†ρϑέέωνπννιόιĩ◻ĩ˖ ⁵ονα.² Derſelbe Gedanke, daß der Philoſoph nicht eher mit ſeiner Lehre hervortreten ſoll, als bis er feſt darin geworden iſt und durch ſein Beiſpiel leiten kann, ſcheint mir auch in Cap. XLVIII, 2 in den Worten zu liegen: T2Olε⁴⁵σ ε(Se. 6 2⁴ιέοσσσοε), 2αν⁴σο sol dνσσαοο, εd³αμαονεεν⁴ε z 20νν⁶σ τμιντνQαάαά̈α 40εεέ̈νν, πωιννπ̈ιν αρνν, wo wohl der Sinn iſt: gleichwie der Geneſende die angegriffenen Glieder nicht eher gebrauchen ſoll, als bis ſie die nothwendige Kraft gewonnen haben, ſo ſoll der Philoſoph auch nicht eher als Lehrer auftreten, als bis die Lehre ſein ganzes Weſen durchdrungen