Aufsatz 
Die Lehre Epiktet's nach seinem Manual entwickelt / von Friedrich Spangenberg
Entstehung
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In dieſelbe Kategorie gehört weiter auch das, was das Manual Cap. XXXIII, 15 über das Verhältniß des Philoſophen zu den Mächtigen der Erde lehrt. Der Philoſoph hat hierbei ſtets den Gedanken feſtzuhalten, daß es die Mächtigen ſind, mit denen er verkehrt, daß alſo Dinge, die in dem Umgange mit ihnen vorkommen(z. B. das Abgewieſenwerden vor der Thuͤre und an⸗ dere Acte der Verachtung) eben einmal in den menſchlichen Verhältniſſen ſo liegen, jenen durch menſchliche Convenienz geſtattet ſind. Er darf ſich daher nicht ſo betrachten, als habe er ſolche Behandlungsweiſe nicht verdient, d. h ſich beleidigt ſehen, und ſich ſomit in ſeiner Gemüthsruhe ſtö⸗ ren laſſen. Denn damit verfällt er in die Weiſe des Laien, des Ungebildeten(701τQ ydο 10010, z⁴ dιτενταιτέμ̈νονπε 1 ενανε), und hört auf, Philoſoph zu ſein. In dieſer Be⸗ ziehung wie überhaupt im Umgange ſtellt Epiktet wieder den Socrates und Zeno als Muſter zur Nachahmung hin. Ihrem Beiſpiele folgend wird ſein Schüler den Großen(rdDv 2 drεοοxν dozouνεον, 16, eeραά υνασαριναν τυτ* gegenüber die richtige Haltung einzunehmen wiſſen. Es iſt dieſer Satz auch daraus zu erklären, was Epiktet ſo häufig über die Beleidigung ſagt, daß nemlich niemand den Philoſophen zu beleidigen fähig ſei, wenn dieſer es nicht ſelbſt wolle(vergl. Cap. XXX und XLII).

Intereſſant ſind auch die hin und wieder vorkommenden Vorſchriften uͤber die Art und Weiſe der Unterhaltung, welche dem Philoſophen geziemt. Sie ſind alle als ein Ausfluß des oberſten Princips anzuſehen; ſie dringen alle darauf, daß der Stoiker ſeine Würde und Haltung als Phi⸗ loſoph wahre, daß er in ſeinen Worten nicht über ſein Princip hinausgehe. Darum ſoll Epiktets Schüler vor Allem ſchweigſam ſein, begreiflich, weil er dadurch am beſten auf ſich ſelbſt und zum Nachdenken über ſein Princip hingewieſen iſt, und dadurch nicht aus ſeinem innern Geiſtesleben herausgeriſſen wird; zumal ſoll er dieſes ſein, wenn er in einem Kreiſe weilt, der ihm und dem er fremd iſt(Cap. XXXIII); läßt er ſich in ein Geſpräch ein, ſo ſoll dieſes kurz ſein, und ſich auf nur nothwendige Dinge beſchränken, dagegen Worte über alltägliche, triviale Dinge vermeiden, weil ſolches mit der Würde des Philoſophen im Widerſpruch ſteht. Desgleichen will Epiktet ta⸗ delnde wie lobende Aeußerungen über Andere, namentlich durch Anſtellung von Vergleichen von der Unterhaltung ausgeſchloſſen wiſſen; denn hierin gibt ſich ſchon eine gewiſſe Erregtheit, eine Regung der Leidenſchaft und Unfreiheit kund. Cbenſo ſoll er ſeine volle Gelaſſenheit an den Tag legen, wenn er erfährt, daß ein Anderer ihm Böſes nachgeredet habe; ſeine Antwort ſoll dann ſein: njener habe noch alle ſeine Fehler nicht gekannt, ſonſt würde er auch dieſe gerügt haben. Und überhaupt ſoll das, was Andere über ihn ſagen, den Philoſophen nicht rühren. Vergl. Cap. L, 1: 6, 2⁴ ϑυ so† ι*πμεοι ουοο, mπμιιστιειςσοιν τοντοανς ode e 201 06. Gleich unver⸗ einbar mit dem Weſen deſſelben iſt es, von den Thaten, die er vollbracht, und von den Gefah⸗ ren, welche er überſtanden hat, zu ſprechen(eine Tugend, die Epiktet auf gleiche Weiſe in den Handlungen geachtet wiſſen will; vergl. Cap. XLVII). Denn, meint er, wenn auch dieſes für das Selbſtgefühl des Redenden angenehm und wohlthuend ſei, ſo habe es doch auf die Zuhörer nicht eine gleiche Wirkung. Auch ſolche Reden, welche Lachen erregen, hat der Stoiker zu ver⸗ meiden, wie denn überhaupt das Lachen etwas mit dem Weſen und der Wüͤrde des Stoikers un⸗