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ſtehe. Ein Andrer nemlich habe ſich durch Lobſpenden, Dienſtleiſtungen ꝛc. eine Einladung oder eine
Bevorzugung in andern Hinſichten gleichſam erkauft, er habe eingenommen, aber auch ausgegeben.
Der Philoſoph dagegen habe nichts ausgegeben, vielmehr beſitze er noch, was ein Anderer ausge⸗ geben, das nemlich: ndaß er einen Andern nicht gelobt habe und dergl.,“ er könne alſo auf Wie⸗
dervergeltung keinen Anſpruch machen. Wie Cpiktet dieſen Satz durch einen uns freilich trivial erſcheinenden Vergleich eindringlich zu machen ſucht, dürfen wir wohl übergehen.
Wir ſehen alſo durch alle dieſe Vorſchriften, welche den Philoſophen im praktiſchen Leben be⸗ treffen, den einigen Satz durchleuchten:„wahre deine Freiheit, worin dein Weſen als Philoſoph beruht.“ Auf denſelben Satz gebaut ſind dann auch die weitern Regeln in dieſer Beziehung, wo⸗ rüber wir ſchneller hinwegeilen dürfen. So z. B. die Vorſchriften, welche ſich auf den Beſuch von Schauſpielen und Recitationen beziehen. Erſtere will er nur mäßig beſucht wiſſen und die Unter⸗ haltung darüber billigt er nur in gewiſſer Weiſe und ohne Erregtheit, weil der Philoſoph durch dieſe Momente in ſeiner Seelenruhe geſtört werden kann. Ebenſo geſtattet er den Beſuch von Re⸗ citationen nur ſelten und verlangt dabei eine würdevolle und gemeſſene Haltung.— Gelage und Umgang überhaupt mit ſolchen, welche nicht auf der Linie des Philoſophen ſtehen, ſieht er ungern; und iſt ſein Schüler doch mit Laien zuſammengetroffen, ſo ſoll er ſich unter denſelben als Philoſophen zeigen, d. h. er ſoll die Geſellſchaft nicht auf ſich wirken laſſen, er ſoll nicht in den Ton derſelben einſtimmen. Denn auf dieſe Weiſe kann die Reinheit ſeiner Vorſtellungen getrübt werden. Man vergleiche Cap. XXXIII, 6: 1091„ο, ör1, 2dν τα‿οοσ m⁷ ⁴μέαιοανν⁶σιιννοοσ, να-dν dυx 10 Gρεεένονννoοαμνμ‿ Oℛαμ̈μμαα αἀↄeν,„0ν αάτςσ α rmmꝛ˖εαασααρ⁴ςε, ein Satz, in dem eben auf den Einfluß des Umgangs hingewieſen wird.
Ueberhaupt dringt Epiktet darauf, daß der Bekenner ſeiner Lehre ſorgfältig das Verhältniß und die Beziehung beachte, in welcher er zu den einzelnen Menſchen ſtehe, indem das der Maßſtab ſei zur freien Beurtheilung der Handlungen, welche Andere gegen ihn begehen und zum richtigen Verhal⸗ ten gegen dieſelben ſeinerſeits. Man vergleiche hierüber Cap. XXX, woraus wir die Worte hervor⸗ heben: 00ςι σα¶ ο roν ετονοοε, iα τον πτνον, dᷣmνντον ουοστιmηοο, 10 2ααονηχηυ εοσ‿ 0εε⁸ε, 8 Ʒς e⁵ες ε⁴ει mεαεειν.— Nur richtige Erkenntniß dieſer Verhältniſſe, ob z. B. Je⸗ mand Vater, Bruder, Nachbar, Feldherr ꝛc. ſei, befähige den Philoſophen dazu, dieſen Einzelnen gegenüber die richtige Lebensſtellung zu wahren, d. h. eine ſolche, wobei er zu keinem Acte der Unfrei⸗ heit veranlaßt wird, alſo worin er Philoſoph bleibt. So, ſpricht hier Epiktet zu ſeinem Schüler, darf es dich nicht befremden, wenn dich dein Vater ſchimpft oder ſchlägt, du mußt von dem Ge⸗ danken geleitet ſein, daß es dein Vater iſt, alſo der Mann, dem du in allen Stücken zu folgen haſt, daß dich alſo nicht ein ſchlechter Mann, ſondern dein Vater geſchlagen hat. Das iſt die freie dem Philoſophen geziemende Anſchauung. Ein ähnlicher Gedanke ſindet ſich Cap. XLIII, wo ſich Epiktet über das Verhältniß zum Bruder ausläßt. Biſt du von dieſem beleidigt, ſagt er hier, ſo darfſt du dieſe Beleidigung nicht abſolut auffaſſen, ſondern nur mit dem Gedanken, daß es dein Bruder, alſo der mit dir Auferzogene, iſt, von welchem die Beleidigung ausging. So wirſt du die Sache von der richtigen Seite betrachten(wal 1u wαἀ, 2ανσν ο φ⁄οσ⁶ν dεν).—
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