Aufsatz 
Die Lehre Epiktet's nach seinem Manual entwickelt / von Friedrich Spangenberg
Entstehung
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in ſich ſelbſt finden ſoll. Ueber dieſe Verzichtleiſtung des Philoſophen auf Achtung bei der Welt müſſen wir Epiktet noch in Cap. XXIV ſprechen hören. Allerdings, gibt er hier zu, mag der Ge⸗ danke im Philoſophen aufſteigen: Arςσ 6αν mρσικέασοσπασι α οddedς 00 4005, ich werde unge⸗ ehrt mein Leben hinbringen und uͤberall ein Nichts ſein. Allein ſolche Gedanken müſſen machtlos werden durch die Ueberzeugung, welche der 10os gibt, daß der Ruhm(dεμα) zu den Dingen gehöre, welche nicht in unſerer Gewalt liegen, mithin indifferent und weſenlos ſind, die alſo zu erſtreben mit dem Geiſte des Stoikers unvereinbar iſt. Wie dieſen Gedanken, ſo beſeitigt Epiktet auf gleiche Weiſe andere, welche die Betrachtung der Welt und ſein Verhältniß zu ihr im Philoſophen erre⸗ gen, wobei wir ſehen, wie er das anſcheinend Egoiſtiſche, das in einzelnen Sätzen ſeiner Moral liegt, aufzjuheben und das Streben nach Selbſterhaltung als mit dem Wohl der Geſellſchaft und des Staates harmonirend zu bezeichnen ſtrebt. So könnte z. B. den Stoiker der Gedanke ſeiner Lehre untreu machen, daß er bei ſeiner niedrigen Stellung und Mittelloſigkeit ſeine Freunde nicht unterſtützen und dem Vaterlande keine Dienſte erweiſen könne. Den erſten dieſer Einwuͤrfe wider⸗ legt er durch den Satz, daß Niemand geben könne, was er nicht habe. Nun könne man freilich dem Philoſophen zurufen:So erwirb Güter, damit du Andern mittheilen kannſt. Allein dieſes Streben, fährt er fort, würde den Philoſophen in Widerſpruch mit ſeinen ſtoiſchen Tugenden brin⸗ gen; denn beides, Wahrung dieſer Tugenden und Streben nach äußern Gütern über das natür⸗ liche Maß hinaus könne nicht neben einander beſtehen; eins davon muſſe aufgegeben werden. Verlange man aber, daß der Philoſoph ſeine wahren Güter, ſein ihm heiliges Beſitzthum, ſeine Tugenden Scheingütern aufopfere, ſo ſei man unvernünftig. Kenne man einen Weg, der zu dieſen beiden verſchiedenen Zielpuncten führe(und darin liegt ja eben, daß es keinen ſolchen gebe), ſo möge der Philoſoph darauf wandeln. Was ſei alſo edler, daß man mit Aufgeben ſeiner edelſten Eigenſchaften ſeinen Mitmenſchen irdiſche Güter, oder ihnen in ſich ſelbſt einen gewiſſenhaften und treuen Freund biete. Cbenſo rechtfertigt er das Verhältniß ſeines Schülers zum Staate, indem er auseinanderſetzt, daß die wahre Stellung des Philoſophen im Staate ſich in der Eigenſchaft deſ⸗ ſelben als eines treuen und gewiſſenhaften Bürgers finde; er wirke ſo mehr für den Staat, wenn er Andere zu ſeines Gleichen heranbilde, als wenn er durch Aufwendung von Geldmitteln und dgl. im Intereſſe des Staates ſeine Theilnahme an demſelben zeige.

Bei der Vorſchrift der Verzichtleiſtung auf Achtung und CEhre verweilt Epiktet oft und gern. Namentlich ſucht er zu erweiſen, wie das durchaus keine Zuruͤckſetzung für den Bekenner ſeiner Lehre ſei, wenn Andere im Genuſſe der Ehre ſtolz ſeien und der Philoſoph demuͤthig erſcheine. So in Cap. XXV, wo er einzelne Fälle vorführt, z. B. wenn dem Philoſophen ein Anderer bei der Tafel, beim Begrüßen, bei der Zuziehung zu einer Berathung vorgezogen würde. Seinem Schuͤ⸗ ler gibt er hier zu bedenken, daß er auf dergleichen Ehrenbezeigungen nur dann Anſpruch machen könne, wenn er Andern eine gleiche Ehre erwieſen habe. Gehe er aber damit um, ſo ſei er dem Streben nach Dingen, die nicht in ſeiner Gewalt liegen, die ihn alſo unfrei machen, verfallen, er habe ſich mithin ſeiner weſentlichſten Eigenſchaft als Philoſoph begeben. Aus dem erſteren Satze folge nun, daß er in dieſer Beziehung den übrigen ſcheinbar bevorzugten Menſchen doch ganz gleich