Aufsatz 
Die Lehre Epiktet's nach seinem Manual entwickelt / von Friedrich Spangenberg
Entstehung
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ſeiner ſelbſt verlangt, welche Kraft er in ſich fühle zur Herrfchaft über dieſelben. An eine ſolche Prüfung ſeiner ſelbſt gewöhnt, vermag keine Erſcheinung ihn mit ſich fortzureißen, d. h. ihn unfrei zu machen. Denn die Macht der Erſcheinung über den Gedanken iſt der erſte Act der Unfreiheit, uͤber den Willen der zweite, über die Handlung der dritte. In ähnlicher Weiſe warnt ECpiktet vor dieſer Herrſchaft der Erſcheinung in Cap. XIX mit den Worten: ö0, ο ε 10νιꝙτναάτπνοοτει 1iuε᷑νον mσ‿‿ ³μάσμιαο⁵οσυ άυdiαs συαραιαασεis. Endlich vergleiche man Cap. XXXIV.

2) Freiheit des Willens. Die Freiheit des Willens hat zu ihrer Vorausſetzung die wahre Freiheit des Gedankens, ſie liegt alſo in der richtigen Wahrung jenes Unterſchiedes zwiſchen dem, was in unſerer Gewalt liegt, und was nicht. Iſt der Wille gerichtet nur auf das erſtere, alſo auf das, was der Menſch auch erlangen kann, ſo iſt er frei, erſtrebt er aber das Gegen⸗ theil, ſo iſt er unfrei. Unſer Manual ſpricht hierüber in§. 4. des erſten Capitels, wo nach⸗ gewieſen wird, daß durch Erſtreben von Dingen, die odf 2ꝙty ſind, z. B. Herrſchaft und Reichthum(2eσϑ‿ να τάατν ‿ςεέι, a dνεναᷣ οurey), das Erreichen der Freiheit und Glückſeligkeit(Zuſtände, die für Epiktet identiſch ſind) unmöglich gemacht werde((νQντ6»ε 1⁶ν dueνιυνꝙ ϑmσιοοσευεμν, dn eνναμμυνν ει⁶ασιον⁶α Ʒενeννμεα πεουνενεετα). Eine ausführlichere Behandlung läßt Epiktet dieſem Grundſatze zu Theil werden in Cap. XIV. Hier bezeichnet er den Wunſch des Menſchen, daß ſein Weib, ſeine Kinder oder ſeine Freunde immer leben möchten, als eine Thorheit; denn damit wünſche er, daß das, was nicht in ſeiner Gewalt liegen kann, doch darin liegen möchte; und nicht minder thöricht ſei es, fährt er fort, wenn er verlange, daß ſein Kind nicht fehle, denn damit ſtürze er das Naturgemäße um, er begehre, daß ein Fehler nicht ein Fehler, ſondern etwas beliebiges Anderes ſei. Hervorzuheben iſt hier namentlich der Schluß⸗ ſatz des Capitels, wo Epiktet den Gedanken der Freiheit rückſichtlich der Willensthätigkeit in den vortrefflichen Worten zuſammenfaßt: z010 52στονν ‿hϋωεν%( ,έn oεένενοο Ʒϑε⁵οανε̈νντ 1) mS⁴⁴ονιννυννειeαν εεοuoieνelg 10 εοισασοινmπ⁶σι s³⅜†ρεεαναα dτις νν εεᷣd- εοσ εειαι*οerα, εε☛ᷣ ⁶ϑeεέτι ι, uτε̈ εννιμιυ τι τιιν εmσ ⁷οοις˙ε ε d A, doοοι‿ᷣεαν ανσά. Zur Willensfreiheit erhebt ſich der Menſch alſo dadurch, daß er nur das erſtrebt, was er auch zu erlangen, und nur von demjenigen will, daß es nicht geſchehe, was er abzuwenden vermag. Denſelben Gedanken treffen wir in Cap. XIX,§. 2 an, und zwar in einer Gedankenverbindung, worin namentlich das Entſpringen der Willensfreiheit aus der Frei⸗ heit der Vorſtellung bezeichnet iſt. Es heißt dort:§ϑε αό τς ον αστσσιάνσ, od TOurcvt, dnœros luα Hᷣueες, d1d&ννϑιεμοοοε τlιαα ϑε ⁶ις ετιον τοντο, ²τικρσονυνσές τνι oνe 21y, Worte, womit alſo die Verachtung deſſen, was nicht in unſerer Gewalt liegt, als Weg zur Freiheit, und zwar zur Freiheit 2ciν εSoxiy, beſtimmt wird. Mit dieſer Vorſchrift hängt nun weiter der Satz der Cpiktetſchen Ethik zuſammen, daß der wahre Philoſoph, wenn er etwas er⸗ ſtrebt, was nicht in ſeiner Gewalt liegt, mithin einen Theil dieſer Freiheit verliert, ſich die Schuld davon ſelbſt zuzuſchreiben hat, ein Satz alſo, worin Cpiktet die Fähigkeit zur Freiheit als

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