Erſter Abſchnitt.
Eintheilung des Stoffes und Verhältniß der Theile zu einander.
Wenn wir mit Recht behauptet haben, daß im Manual Mark und Stamm der GCpiktetſchen Lehre enthalten iſt, daß es alſo alle Seiten derſelben umfaßt, ſo wird wohl die nächſte Frage ſein, in welche Theile dieſe geſammte Lehre zerfällt, und wie ſich dieſelben in unſerer Schrift darſtellen. Man hätte wohl eine Eintheilung des Stoffes in die bekannten drei Theile des alten Stoicismus, Phyſik, Ethik und Logik, erwartet. Allein danach ſuchen wir vergeblich, und es kann uns das nicht auffallen, wenn wir den ſchon oben erwähnten Umſtand erwägen, daß GEpiktet die wiſſen⸗ ſchaftliche Form in ſeinem Werkchen aufgegeben hat. Dazu kommt, daß die Lehre dieſes Philo⸗ ſophen im Weſentlichen Fragen der Ethik, dagegen weniger Fragen aus den übrigen Theilen der Philoſophie erörtert. Allein was Epiktet über die Gliederung der geſammten Philöſophie gedacht und wie er das Verhältniß der einzelnen Theile derſelben zu einander beſtimmt hat, darüber gibt uns doch das Manual Aufſchluß. In Capitel Ll nämlich erwähnt er drei Theile(201) der Philoſophie, deren erſter und nothwendigſter die Anwendung der Lehrſätze, z. B.„daß man nicht lügen ſolle,“ betreffe, deren zweiter die Beweiſe für die Haltbarkeit der Sätze, alſo„warum man nicht lügen ſolle,“ führe, deren dritter zeige, daß die Beweisführung richtig ſei. Epiktet ſcheint hiermit, wenn auch nicht mit voller Klarheit, die drei obenerwähnten Theile der ſtoiſchen Philo⸗ ſophie, die Ethik, Phyſik und Logik bezeichnen zu wollen: die Ethik als den eigentlich prakti⸗ ſchen Theil der Philoſophie, die Anwendung der Lehren; die Phyſik, welche die vernünftigen Gründe für die Handlungen in ihre Unterſuchung zu ziehen hat; die Logik, welche dann zeigt, daß ſich aus dieſem vernünftigen Grunde dieſe, aus jenem jene Handlung als eine ethiſche ergibt. Das Verhältniß dieſer drei Theile zu einander beſtimmt er an demſelben Orte alſo, daß der dritte Theil nur um des zweiten willen nothwendig ſei, der zweite nur um des erſten willen, und daß im erſten ſelbſt alle philoſophiſche Wahrheit liege, und daß daher dieſem der Philoſoph ſeine Haupt⸗ thätigkeit zuwenden müſſe.
Der Logik weiſt er ſomit eine höchſt untergeordnete Stellung an, ja er ſcheint dieſelbe noch mehr zu beſchränken, als dies der alte Stoicismus gethan hat, indem er ihr nur die Unterſuchung


