Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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herrſchen des Stoffes ſein; darum wird, wenn anders die Art der Aufgabe es zuläßt, eine Dis⸗ poſition an den Schluß derſelben geſtellt. Dieſe ſoll von den Seminariſten ſelbſt aufgeſtellt werden, und gewöhnlich geſchieht es auch, daß die gewandteſten unter ihnen den Entwurf liefern, der mit leichten Abänderungen der Ausarbeitung zu Grund gelegt wird. Von hier an wird nun der individuellen Begabung möglichſt Rechnung getragen. Ich ſtrebe auf nichts weniger hin als auf förmliche Uniformität ſämmtlicher Aufſätze, und die auf die beſchriebene Weiſe zu Stande gekommene Dispoſition iſt ſicherlich nicht mehr als ein leichter Rahmen, innerhalb deſſen ge⸗ nügender Spielraum für die berechtigte freie Bewegung übrig bleibt. Frei muß aber unter allen Umſtänden die Bewegung im ſchriftlichen Gebrauche der Mutterſprache ſein. Nicht etwa will⸗ kürlich. Dafür iſt die hochdeutſche Sprache eben ein Kunſtwerk, das richtige hochdeutſch Schreiben alſo eine Kunſt, in deren Ausübung der einzelne ſich nicht ſofort als Meiſter vorfindet, ſondern als lernender Schüler. Aber nicht die Schnürbruſt ſtyliſtiſcher Regeln iſt das Mittel, durch welches dieſe Kunſt erlernt werden kann: die Grammatik hat den Grund zu legen für Ver⸗ ſtändniß und Anwendung der ſyſtematiſchen Geſtalt der Sprache; der Unterricht im Leſen und die Einführung in die Literatur hat den beſten und ſchönſten Stoff in reicher Auswahl zu bieten, an welchem die regelrechte Sprache zugleich als die ſchöne gelernt und lieb gewonnen wird: der ſtyliſtiſche Unterricht hat ſich beider Disciplinen zu ſeiner Unterſtützung zu bedienen, aber ſeine Aufgabe iſt eine weſentlich andere als die Aufgabe jener.

Die Correctur iſt, wie wir geſehen haben, eine doppelte. Hat es die erſte, mündliche, vor⸗ wiegend mit der Aufdeckung und Hinwegräumung von Irrthümern in der Auffaſſung und An⸗ ordnung des Stoffes zu thun, ſo erübrigt für die ſchriftliche Correctur beſonders die Verbeſſerung der Fehler, welche gegen die hochdeutſche Sprache begangen worden ſind. Es wird mit Strenge darauf geſehen, daß bei der Ablieferung der Reinſchrift die Schönheit und Sauberkeit derſelben nichts zu wünſchen übrig laſſe: das Reſultat eines längeren ernſtlichen Bemühens verdient es, in ein möglichſt ſchmuckes und ſorgfältig geordnetes Gewand eingekleidet zu werden. Ich verwende lieber eine ganze Stunde mehr auf die Beſprechung des Themas und die mündliche Correctur, um dadurch der Nöthigung überhoben zu ſein, durch ſehr umfaſſende ſchriftliche Correctur den Ein⸗ druck der Selbſtſtändigkeit und Reinheit der Arbeit weſentlich zu beeinträchtigen. Ich kann das um ſo mehr, da ich bei der ſchriftlichen Correctur nicht von der Anſicht ausgehe, es gelte, aus einem ſchlechten oder mittelmäßigen einen guten Aufſatz herauszucorrigieren.

Wenn hier in vielleicht etwas auffallender Ausführlichkeit von dem äußeren Verfahren gehandelt worden iſt, ſo wird man doch leicht bemerken, daß die Außenſeite nicht etwas Unweſentliches iſt, und ſodann mag es nicht ſchaden, wenn deutlich wird, wie es nicht geringer Anſtrengung bedarf, um auf dieſem in unſerer Anſtalt ſo wichtigen und zugleich ſo ſchwierigen Gebiete vorwärts zu kommen.

Ich halte nicht für nöthig, auf das Sachliche der Behandlungsweiſe in den einzelnen Rubriken einzugehen. Die rubricierten Aufgaben ſtellen Anforderungen dreierlei Art. Was die Reproduction betrifft, bei welcher Stoff und Form unverändert bleiben, ſo hat hierbei die Thätig⸗ keit des Lehrers ſich auf Vermittlung eines vollen Verſtändniſſes in ſprachlicher und ſachlicher Beziehung zu beſchränken. Dazu kommt bei umfangreicheren und ſchwierigeren Aufgaben die Hervorhebung des Hauptſächlichen über das Nebenſächliche als Vorarbeit zur Gewinnung der Dispoſition. Weſentlicher wird die Unterſtützung von unſerer Seite, wenn es ſich um Auffin⸗ dung einer neuen Form für den gegebenen Stoff handelt. Hier wird freie Bewegung auf dem ſprachlichen Gebiete nothwendig, und damit tritt in erhöhtem Maße die Verpflichtung an den Lehrer heran, zur Vermehrung der Sprachgewandtheit, zur Verfeinerung des Sprachgefühls und zur Erweiterung des beherrſchten Sprachgebietes das Seine zu thun. Es wird darum alle Zeit, welche neben der Behandlung der ſchriftlichen Arbeiten frei bleibt, auf ſelbſtſtändige mündliche Uebungen verwendet. In manchen Schulanſtalten werden eigentliche Redeübungen angeſtellt, und es könnte vielleicht auch für das Seminar etwas derartiges manchen heilſam ſcheinen. Ich muß mich aber nach meiner Erfahrung gegen ſolche Uebungen in der Beredtſamkeit ausſprechen. Sollen ſie einen inneren Werth haben, ſo muß dabei eine bedeutende geiſtige Selbſtſtändigkeit voraus⸗ geſetzt werden können; ſollen ſie aber nur dazu dienen, die äußerlichen Hinderniſſe der Rede⸗ gewandtheit aus dem Wege zu räumen, ſo bedürfen wir derſelben hier gar nicht, indem in vielen anderen Unterrichtsſtunden, vor allem in den Unterrichtsübungen der erſten Claſſe, hinreichende