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niſſe dargeſtellt erſcheinen.— Beiſpiele:„Das Alter iſt der Herbſt des Lebens“.„Stürme ſind ein Bild von den Leiden des Lebens“.
Auf einer höheren Stufe laſſen ſich endlich auch Gedichte noch zu anderen lohnenden Auf⸗ gaben verwenden. Nicht der von dem Dichter verwerthete Stoff, ſondern gerade die dichteriſche Behandlung desſelben wird Gegenſtand der Betrachtung. Hier iſt ein Doppeltes möglich. Es kann ſich einmal darum handeln, die Dispoſition klar zu legen, nach welcher der Dichter ſeinen Stoff angeordnet hat. Soll zum Beiſpiel die Anlage des Stoffes bei Schillers Glocke aufgeſucht werden, ſo wird es zuerſt darauf ankommen, den ganzen Stoff in ſeine beiden Hauptbeſtandtheile: die Meiſterſprüche und die Betrachtungen zu zerlegen. Sodann ſind die einzelnen Meiſterſprüche nach ihrer Bedeutung als Stationen in dem Proceſſe des Glockenguſſes zu kennzeichnen. Hieran ſchließt ſich alsdann der Nachweis des Zuſammenhanges zwiſchen den Meiſterſprüchen und den an ſie angeſchloſſenen Betrachtungen, ſowie die Aufſuchung des Gedankengangs innerhalb der letzteren. Bei ſolcher Behandlung wird die ganze Dichtung durchſichtig nach ihrer Anlage. Es wird dann auch einleuchtend, wie die beiden Hauptbeſtandtheile in innigem Zuſammenhange mit einander ſtehen und wie zugleich ein jeder von beiden ein harmoniſch abgerundetes Ganze bildet. Noch näher an den Mittelpunkt der dichteriſchen Thätigkeit, an die Production ſelbſt, führen Aufgaben heran, welche den Grundgedanken eines Gedichtes aufgeſucht haben wollen. Hier ſoll nicht eine Wanderung durch das ganze Gedicht angetreten werden, um die architektoniſche Schönheit desſelben zu beſchauen und zu beſchreiben; vielmehr gilt es, den Mittelpunkt aufzuſuchen, auf welchem der Dichter ſelbſt bei der Entſtehung des Gedichtes geſtanden, und von wo aus er die Fülle ſeiner dichteriſchen Gedanken in Bewegung geſetzt hat. Dieſe Aufgabe kann z. B. an Schillers„Kampf mit dem Drachen“ gelöſt werden. Aus der dramatiſch lebendigen Darſtellung hebt ſich leicht erkennbar der Conflict heraus zwiſchen der Heldenthat des Ritters und dem Ge⸗ lübde des Ordensbruders, deren ideelle Bedeutung in dem Gedichte durch die Perſonen des Drachentödters und des Großmeiſters repräſentiert wird. In ihnen ſtreiten der perſönliche Heldenmuth und die Heiligkeit des Geſetzes um den Vorrang. Und wenn zuletzt die Unter⸗ werfung des Helden unter die Strenge des Urtheils ſeines Meiſters zu der Löſung des Conflictes, und um der Demuth der Unterwerfung willen zur verſöhnenden Löſung führt, ſo offenbart die⸗ ſelbe damit den zu ſuchenden Grundgedanken: Höher als der größte perſönliche Heldenmuth ſteht die demüthige Unterordnung unter das heilige Geſetz.
Dieſe Aufzählung mag genügen, um nachzuweiſen, daß es uns an Abwechslung in Aufeaatz⸗ thematen nicht fehlt. Es erübrigt nun zum Schluſſe noch von der Behandlungsweiſe des Stoffes zu reden.
Es wird ungefähr alle vierzehn Tage ein Aufſatz geſchrieben. Der ſchriftlichen Bearbeitung des Themas geht eine mündliche Behandlung voraus, die mindeſtens eine, manchmal auch zwei Stunden in Anſpruch nimmt. Das Concept wird außerhalb der Stunde verfaßt. Zunjächſt unterliegt dasſelbe einer mündlichen Correctur, wobei wenigſtens eine Arbeit ganz wun die übrigen nach Wunſch der Verfaſſer oder nach Aufforderung des Lehrers ſtellenweiſe verglichen werden. Die ſo behandelten Concepte werden, verbeſſert oder ganz umgearbeitet, ins Reine ge⸗ ſchrieben und endlich von Seiten des Lehrers einer ſchriftlichen häuslichen Correctur unterworfen. Bei der Zurückgabe finden einzelne Corrigenda durch die Verfaſſer ſelbſt ihre Erledigung, und ſchließlich wird eine Arbeit, gewöhnlich eine der beſſeren, verleſen. Im Ganzen behalte ich dieſe Art der Behandlung bis in die oberſte Claſſe bei, doch treten auch Verſuche ein, auf kürzerem Wege zum Ziele zu gelangen.
Die gezeichnete Außenſeite der Behandlungsweiſe deutet ſchon darauf hin, daß der Haupt⸗ nachdruck auf den mündlichen Theil fällt. Derſelbe verläuft natürlich in dialogiſcher Form, ſo daß der Lehrer die Frage ſtellt und die Schüler die Antworten geben, oder daß dieſe nach einer Erklärung fragen, die, wenn ſie nicht von einem anderen gegeben werden kann, durch den Lehrer erfolgt. Daß der Antheil des Lehrers an der Löſung der Aufgabe hierbei ein ſehr weſentlicher ſein kann und oft wirklich iſt, wird nicht Wunder nehmen; es liegt eben in der Aufeinanderfolge der Frageſtellung der Gedankengang gewöhnlich ſchon vorgezeichnet. Natürlich vertheilt ſich aber bei fortſchreitender Entwicklung die Arbeit immer mehr zu Gunſten der Seminariſten. Das Reſultat der mündlichen Behandlung ſoll bei allen Schülern ein möglichſt vollkommenes Be⸗


