Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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wenig bekannt iſt?Welcher Zuſammenhang beſteht zwiſchen der Gliederung Europa's und ſeinen klimatiſchen Verhaltniſſen?Welche Einflüſſe üben die Alpen auf ihre Nachbarländer?

Die Sprichwörter werden vielfach zu Aufſatzthematen verwendet. Die Abſtraction ſteckt hier auch meiſtens in einem höchſt intereſſanten, oft ſehr ſchönen ſinnlichen Gewande. Der Uebergang vom ſinnlichen in's überſinnliche Gebiet iſt durch die Gewalt der Bilderſprache ſo leicht gemacht, daß das Verſtändniß zum wenigſten leicht zu erreichen iſt. Nur wird daraus nach meiner Er⸗ fahrung ſelten ein guter Aufſatz, und zwar aus natürlichen Gründen. Es iſt nicht zu leugnen, daß manche Sprichwörter zu weitläufigen intereſſanten Abhandlungen Stoff bieten; dieſe ſetzen aber ſchon ein bedeutendes Abſtractionsvermögen voraus. In einem niedereren Tone der Behandlung aber ertragen die Sprichwörter meiſtens eine bis zur Ausdehnung eines Aufſatzes erweiterte Be⸗ handlung nicht. Die Weisheit wird je länger, deſto platter geſchlagen, und mit Recht wird man darum Meiſter Hebel loben, daß er die Kürze liebt. Das Sprichwort, wie es mir hier vorſchwebt, verdankt eben ſeine Entſtehung einem einfachen Proceſſe. Es iſt nichts weiter als ein glücklicher Griff des poetiſchen Volksgeiſtes aus dem Gebiete der Erfahrung in das der ſinnlichen Wahr⸗ nehmung und Beobachtung. Beiſpiele:Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme.Wer an den Weg baut, hat viele Meiſter. Wird einem Sprichwort ein anderes ſinnverwandtes zur Seite, wird ihm ein ſcheinbar oder auch wirklich wider⸗ ſprechendes gegenüber geſtellt, ſo gewinnt die Darſtellung an Lebhaftigkeit und Reiz. Der Vergleich iſt die Mutter der Erkenntniß, denn die Unterſuchung des Verhältniſſes zwiſchen zwei Dingen außer uns übt einen ähnlichen Reiz auf uns aus, wie das Sichvertiefen in einen uns ſympathiſchen Gegenſtand; das Intereſſe an dem Vergleiche entſpricht der perſönlichen Theilnahme, und auf beiden Wegen gelangen wir zu klarerer, reicherer Erkenntniß. Beiſpiele:Kleider machen Leute und das Kleid macht nicht den Mann.Hoffen und Harren macht manchen zum Narren und Mit Harren und Hoffen hat's mancher getroffen.

Während die Sprichwörter Reſultate der Erfahrung bieten und die Aufgabe ſtellen, die Richtigkeit dieſer Reſultate an Beiſpielen aus dem Leben nachzuweiſen, ſo ſchlägt eine andere Art von Aufgaben bei der Betrachtung der Verhältniſſe des menſchlichen Lebens die umgekehrte Rich⸗ tung ein. Man ſtellt beſtimmt formulierte Fragen an die eigene Erfahrung und veranlaßt dadurch eine Unterſuchung derſelben. Das Reſuktat dieſer Unterſuchung entſpricht dann dem, was das Sprichwort vorweg genommen hatte. Ich will das durch Beiſpiele erläutern. Sprichwörter, wie die:Der Schein trügt,Nicht alles, was glänzt, iſt Gold geben dem Sinne nach einander ähn⸗ liche Reſultate der Erfahrung. Stelle ich nun die Frage:Welche Rolle ſpielt das Unſcheinbare in unſerem täglichen Leben? ſo veranlaßt dieſelbe eine Unterſuchung, deren Reſultat mit den genannten Sprichwörtern ſich nahe berühren wird. Für das Gelingen ſolcher Aufgaben iſt die ſcharfe Formulierung der Frage oft von entſcheidender Bedeutung; ſie muß den Gedanken der Schüler ſofort eine ganz beſtimmte Richtung geben und der ganzen Behandlung ſcharfe Grenzen ziehen. Die Frage:Wann ſchlagen die Glocken an? iſt, was die Auffindung des Stoffes anlangt, ſicherlich eine leicht zu beantwortende. Mehr verlangt ſchon die Frage:Was läßt ſich zum Lobe des Krieges ſagen? Eigene Erfahrung im eigentlichen Sinne fehlt hier ganz. Aber der Stoff iſt, zumal in der Gegenwart, ein populärer und regt ſofort das Nachdenken in fruchtbringender Weiſe an. Der Hinweis auf die Geſchichte ruft die allgemeine Erfahrung als eine bekannte zu Hilfe und weiſt dazu an, die Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit zu betrachten. Ein neues Wiſſen wird auch hierbei nicht bezweckt; die einzelnen Gedanken ſind bekannte, nur die Verknüpfung der⸗ ſelben zum Dienſte des Hauptgedankens iſt das Neue und damit dasjenige, was die Arbeit würzt. In ähnlicher Weiſe laſſen ſich Unterſuchungen über Fragen aus anderen Gebieten anſtellen, z. B. aus der Naturgeſchichte:Wo bauen die Vögel ihre Neſter hin?Welches unter den gezähmten Thieren verdient den Preis? Bei der letzten Frage wird die Unterſuchung intereſſant durch das ab⸗ wägende Moment.

Der Menſch und das menſchliche Leben laſſen ſich aber nicht nur zum Gegenſtande verſtän⸗ diger Unterſuchung machen; will man ihnen gegenüber die Phantaſie zu ihrem Rechte kommen laſſen, ſo ergeben ſich vergleichende Betrachtungen. Vorgänge oder Gegenſtände aus der Natur gewinnen hier die Bedeutung von Bildern, in welchen Vorgänge aus dem menſchlichen Leben ſich abſpiegeln, ſo zwar, daß die Beziehungen der Aehnlichkeit in einem ausgeführten Gleich⸗