Aufsatz 
Allgemeines über den Unterricht in der deutschen Sprache. Über den Unterricht in der deutschen Grammatik. Über die theoretisch-praktische Einführung der Seminaristen in den Unterricht im Deutschen innerhalb der Volksschule
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tungen von Sprichwörtern, Geſchäftsaufſätze; bewegt ſie ſich um allgemeine Wahrheiten, Thatſachen aus dem geiſtigen Leben, ſo führt ſie in das unbegrenzte Gebiet des abſtracten Denkens. Mitt dieſer Ueberſicht ſoll ſo wenig wie mit den nun folgenden Einzelausführungen eine ſtreng ſtufenmäßig geordnete Aufeinanderfolge der auszuwählenden Stoffe gegeben ſein. Unter die einzelnen Rubriken, die übrigens auf erſchöpfende Vollſtändigkeit keinen Anſpruch machen, fallen Themata von ſo verſchiedenem Grad der Schwierigkeit, daß es möglich wird, eine große Mannig⸗ faltigkeit in der Wahl derſelben walten zu laſſen. Im allgemeinen allerdings kommt das, was hier den Schluß bildet, vorzugsweiſe in der oberſten Claſſe vor. Ich gehe nun dazu über, die einzelnen Rubriken näher ins Auge zu faſſen. Selbſtverſtändlich wird mit dem Concreten der Anfang gemacht. Wenn die Maſſe des in den vielen Lehrſtunden angehäuften Stoffes nur zu leicht dazu beiträgt, das Intereſſe an dem in der nächſten Umgebung ſich bietenden Schönen und Intereſſanten abzuſtumpfen, ſo gewährt die Stylſtunde eine ſchöne Gelegenheit, eine ſorgfältige Betrachtung des Wohnorts und der umgebenden Natur anzuſtellen. Das Schöͤne und Intereſſante allein kann aber den Anſpruch erheben, zum Gegenſtande einer ſchriftlichen Darſtellung gemacht zu werden. Hier in Friedberg iſt der entſprechende Stoff reichlich vorhanden, ſo daß eine große Anzahl von Aufgaben ſich darbietet. Das Intereſſe der Schüler erhält dabei in der Regel ſeine Richtung durch das von dem Lehrer geſtellte Thema. Es iſt eben ſehr zweierlei, Wohlgefallen finden an etwas Schönem, das als ſolches vorgeführt wird, und das Schöne ſelbſt auffinden in niederer Potenz der nämliche Unterſchied wie zwiſchen dem Kunſt⸗ freunde und dem Kunſtkenner. Wird der Hauptnachdruck darauf gelegt, eine möglichſt über⸗ ſchauliche, verſtändliche Darſtellung zu liefern, von dem Grundriſſe ausgehend, eine klare Orientierung zu geben, ſo entſteht die einfache Beſchreibung. Beiſpiele:Die Südſeite der Burg Friedberg.Der Nauheimer Teich.Die Uſa in der Umgebung von Friedberg.Beſchrei⸗ bung des Glockengießens nach Schillers Glocke. Wird dagegen die Beſchreibung von einem beſtimmten Punkte aus vorgenommen und damit zugleich das Verhältniß des Verfaſſers zu dem Gegenſtande mit in der Darſtellung hineingezogen, ſo wird dieſelbe zur Schilderung. Dieſe liefert ein einheitliches Bild, dem man es anmerkt, daß es nicht nur durch das Auge und die Hand des Verfaſſers hindurchgegangen iſt, das vielmehr in der Art der Darſtellung, der Wärme des Ausdrucks einen Refler der ganzen Perſon des Schildernden bemerken läßt. Wenn ich mich oben gegen die ſtarke Benutzung des Gefühlsvermögens ausgeſprochen habe, wo es galt, Empfin⸗ dungen zuerſt künſtlich zu erzeugen, oder vielmehr direct nur den Ausdruck derſelben zu erzwingen, ſo befinde ich mich hier in einer ganz anderen Lage. Hier iſt ein wirklicher Eindruck vorhanden, ein feſt umriſſenes Bild tritt vor das Auge, dasſelbe läßt ſich jederzeit durch wiederholtes Beſchauen von neuem einprägen es kommt nur darauf an, den der individuellen Auffaſſung entſprechenden Ausdruck zu finden. Hier iſt auch die Gefahr, mit dem Gefühle in's Unbeſtimmte oder in's Phraſenhafte zu gerathen, weniger groß; denn einmal ſind die Bilder aus unſerer Umgebung durchaus von einfacher, ſchlichter Schönheit, und ſodann gibt der Hinweis auf das innerhalb der Anſchauung Vorhandene eine gar leichte Correctur an die Hand. Zudem iſt es hier viel weniger das ſittliche Gefühl, welches zur Aeußerung gelangt, als das äſthetiſche. Beiſpiele:Die Feier der Capitulation von Paris.Vor dem Hochofen in Hirzenhain(nach einem Ausfluge in den Vogelsberg).Die Ausſicht vom ſüdlichen Rondel des Burgwalles. Neben die Beſchreibung tritt von Anfang an die Erzählung. Sie iſt meiſt willkommener als jene und ſicherlich weniger ſchwierig, wenn ſie reine Reproduction d. h. Wiedergabe von Inhalt und Form verlangt. Wie der Gegenſtand der Beſchreibung das Intereſſe des Beſchreibenden vor⸗ ausſetzt, ſo eignen ſich auch nur ſolche Erzählungen zur Wiedergabe, die wie die Anecdote durch ihre Pointe einen gewiſſen Reiz ausüben. Früher hat man dies wohl einfach durch die Moral von der Geſchichte erreicht wiſſen wollen. Wenn dieſelbe als Hauptzweck den ins Auge faßt, die Schüler moraliſch anzuregen, dann fällt ſie unter das Urtheil, welches oben über das Appellieren an das moraliſche Gefühl ausgeſprochen worden iſt. Solchen Erzählungen merkt man es gewöhnlich auch ſchon auf den erſten Blick an, daß ſie ihre Eriſtenz nur der moraliſchen Erbſchaft verdanken, die ſie hinterlaſſen ſollenman merkt die Abſicht und man wird verſtimmt. Das Intereſſe des Schülers richtet ſich von ſelbſt vorwiegend auf das, was aus der Geſchichte gelernt werden ſoll, es fehlt der Selbſtzweck des Stoffes und darum auch die Freude, das Intereſſe an demſelben.